Exporteinbruch im August: 13 Prozent weniger türkische Waren nach Europa

Die Zahlen der türkischen Exporteurvereinigung TİM für diesen August zeigen einen deutlichen Rückgang bei den Umsätzen in Europa. Diese Entwicklung hatten auch schon Daten des Türkischen Statistischen Instituts TÜİK angedeutet. Der sonst so agile Automobilsektor des Landes schaffte es im vergangenen Monat nicht einmal unter die Top 3.

Im Rahmen einer Pressekonferenz in der nordtürkischen Provinz Karabük erläuterte TİM-Präsident Mehmet Büyükekşi gegenüber den anwesenden Journalisten: „Wir haben eine gesunde, wirtschaftliche Landung hingelegt. Jetzt fahren wir mit ruhigerem Tempo fort.“ Im Zuge der europäischen Wirtschaftskrise, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Doğan, habe sich auch das türkische Wirtschaftswachstum verlangsamt. Diese Wachstumsraten seien auf der ganzen Welt gefallen.

Laut Büyükekşi seien die Exporte in die Europäische Union im August 2012 um 13 Prozent eingebrochen. Der gesamte Rückgang in den ersten acht Monaten des Jahres betrage elf Prozent. Auf diese Entwicklung hingewiesen hatte die TÜİK bereits in der Vorwoche. Laut deren Daten sei Anteil der Ausfuhren in die EU auf 34,3 Prozent im Juli gesunken. Im Vorjahreszeitraum lagen diese noch bei 47,7 Prozent.

EU-Export: Chemische Industrie und Textilbranche liegen vorn

Die Nase vorn hatte im vergangenen August demnach die chemische Industrie mit einem Exportvolumen von 1.45 Milliarden US-Dollar. Ihr folgt die Textilindustrie mit 1,3 Milliarden Dollar sowie die Stahlindustrie mit 1.28 Dollar. „Für uns war es eine Überraschung den Automobilsektor nicht in den Top 3 des Augusts wiederzufinden. Dennoch ist er über die ersten acht Monate hinweg betrachtet der Export-Champion“, stellt Büyükekşi heraus.

Die höchste Zunahme der Exporte wurden mit 61 Prozent von der Verteidigungs und Luftfahrt-Industrie verzeichnet. Auf Rang zwei landete hier der Schmucksektor mit 51 Prozent. Auch der Export von frischem Obst und Gemüse legte im August um 24 Prozent zu.

Die gesamten Ausfuhren der Türkei sanken im August um 10.5 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 4.6 zum Vorjahreszeitraum entspricht. Dementgegen weisen die TİM-Zahlen für die ersten acht Monate des Jahres 2012 einen Anstieg um 10.2 Prozent, sprich 97.7 Milliarden Dollar, auf. Insgesamt nahmen die Exporte in den vergangenen zwölf Monaten um 10.9 Prozent bzw. 143.9 Milliarden US-Dollar zu.

Verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit der CCTS

Während sich die EU derzeit alles in allem als nicht gerade vorteilhafter Handelspartner für die Türkei erweist, sieht es andernorts um einiges rosiger aus. Das Land hat sich auf Grund der sinkenden Nachfrage aus Europa bereits umorientiert: Ein Großteil der Exportwaren landet derzeit im Mittleren Osten. Hauptabnehmer ist hier der Iran (In den Iran exportiert die Türkei derzeit mehr Gold als in jedes andere Land – mehr hier). Und die Türkei ist weiter auf der Suche nach Alternativen zur EU: So wurde erst vor wenigen Tagen auf dem Gipfeltreffen der Cooperation Council of Turkic Speaking States (CCTS), einem Zusammenschluss der turksprachigen Länder, bestehend aus der Türkei, Kirgistan, Kasachstan und Turkmenistan, eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen. Diese werde vor allem die Bereiche Energie und Transport betreffen (Davutoğlu betonte die Wichtigkeit der CCTS für die türkischsprachigen Länder – mehr hier). Scherzhaft wurde sogar die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) ins Spiel gebracht.

Tendenzen dieser Art sind im Augenblick auch aus Russland zu vernehmen. Just zu Wochenbeginn meldete sich hier der VTB CEO Andrey Kostin zu Wort. Am Rande des am 2. September eröffneten Gipfels der Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Wladiwostock rät derFachmann seinem Heimatland sich stärker gen Asien und weg von Europa zu orientieren. Ab dem 8. September treffen sich hier Vertreter der 20 Mitgliedsstaaten, um dann “über eine Liberalisierung des Handels und der Investitionen, eine wirtschaftliche Integration, Aufbau vonVerkehrs- und Logistikketten und Innovationen zu beraten”.

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