Klaus J. Bade: „Hier wabert seit langem ein minderheitenfeindlicher völkischer Sumpf“

Klaus J. Bade ist als Gründungsvorsitzender des Sachverständigenrates Deutscher Stiftungen abgetreten. Doch das ist noch lange kein Grund, das Engagement zu verringern, meint er. Im Gegenteil: Er will seinen „Kampf auch an dieser schmutzigen und gefährlichen Front weiter fortsetzen“. Zumal es in Deutschland noch ausreichend zu tun gibt. Vor allem fremdenfeindliche Gesinnungen seien noch viel zu häufig anzutreffen.

Für seinen Rückzug gibt es keinen aktuellen Grund, denn schon bei der Gründung des Sachverständigenrates Deutscher Stiftungen hatte sich der Migrationsforscher Klaus J. Bade selbst eine Begrenzung gesetzt. „Maximal drei Jahre hatte ich als Gründungsvorsitzender zugesagt, um das Schiff aus den Schären heraus zu lotsen und auf Kurs zu bringen. Das haben wir mit vereinten Kräften und massiver Stiftungshilfe geschafft. Deshalb ist es angemessen, das Ruder nun in andere Hände zu geben“, erklärte Bade auf dem anlässlich seines Abschieds veranstalteten Symposiums „Migration, Integration, Politik und wissenschaftliche Politikberatung“ in Berlin. Als seine Nachfolgerin tritt Christine Langenfeld den Vorsitz des Sachverständigenrats an.

Aydan Özoguz, stellvertretende Vorsitzende der SPD sowie der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir waren sich einig, dass Klaus Bade häufig Anregungen für die Richtung der eigenen Politik gegeben hat. Bei ihnen ging Bades Konzept der „kritischen Politikbegleitung“ also auf. Bade hatte die Medien genutzt, um eine „nachhaltige öffentliche und auch politische Wirkung“ zu erzielen (im Interview mit den DTN spricht er ausführlich über seinen persönlichen „Neustart“ – mehr hier). Und das erhofft er sich auch in Zukunft. Von seinen Kolleginnen und Kollegen des Sachverständigenrates fordert er, diese fortzusetzen. Doch das ist nicht einfach, denn „die Positionierung gegenüber der Politik in den Medien ist auf eine Balance zwischen Provokation und Ausgewogenheit angewiesen, die den Dialog mit der Politik zwar provoziert, aber auch möglich macht“, so Bade.

Zudem appelliert der Forscher, rechtsextremistische Bewegungen im Internet nicht aus den Augen zu verlieren. „Agressionsobjekte“ seien in diesem Bereich vor allem Migration, Integration und Minderheiten, „hier besonders der Islam und die in Deutschland heute mehr als vier Millionen Menschen umfassende Gruppe der Muslime“.

Die Gefahr dürfe nicht unterschätzt werden, meint Bade. Er erklärt, „im Untergrund wabert seit langem ein minderheitenfeindlicher völkischer Sumpf, dessen argumentative Schlinggewächse immer gefährlicher und sichtbarer“ würden. In verschiedenen Internetblogs sei zu sehen, wie „ Angstgetriebene“ nach Schuldigen für ihre „ökonomischen und sozialen, kulturellen und mentalen Absturzängste“ suchen.

Selbst der Massenmord in Norwegen und die Taten der NSU hätten nur eine vorübergehende Beschäftigung mit dem Thema bewirkt (Breivik wurde erst Ende August verurteilt – mehr hier). Hier erwartet Bade vom Sachverständigenrat viel Engagement. „Politik hat, soweit ich sehe, bislang wenig daraus gelernt – vor allem nicht, daß es indirekte Ursache-Folge-Zusammenhänge zwischen Wortgewalt und Tatgewalt geben kann“, so Bade weiter.

Man dürfe nicht warten, bis es vielleicht wieder einmal „zu spät geworden ist“. So könne auch er sich nicht einfach zur Ruhe setzen. Im Gegenteil: „Ich jedenfalls werde meinen Kampf auch an dieser schmutzigen und gefährlichen Front weiter fortsetzen“, sagt Bade.

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