Türkische Gemeinde: „Hat die Polizei nichts aus den NSU-Morden gelernt?“

Polizeibeamte hätten nach einem Überfall auf eine türkische Familie in Betzdorf aufgrund von Vorurteilen gegenüber Zuwanderern falsch gehandelt, kritisiert der TGD-Vorsitzende Kenan Kolat in einem Brief an Kurt Beck, den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Statt sich ein Bild vom Vorfall zu machen, hatten die Beamten den Familienvater festgenommen. Das müsse für die Beamten ein Nachspiel haben, alles andere zeige, dass auch die Politik nichts aus den Taten der NSU gelernt habe.

Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland, hat sich schriftlich an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck gewendet. Er kritisiert das Vorgehen der Polizeibeamten nach einem Überfall auf eine türkische Familie in Betzdorf, das berichtet die Europa Ausgabe der Tageszeitung Hürriyet (mehr zum Überfall hier).

Kolat meint, die Beamten dürften nicht mehr ihrer Tätigkeit nachgehen. Das müsse Beck nun sicherstellen. Ende August war eine Familie von zwei bewaffneten Männern überfallen worden. Als die Beamten eingetroffen waren, waren die Täter allerdings schon geflüchtet. Ohne sich ein richtiges Bild von der Situation zu machen, habe die Polizei den Familienvater festgenommen, so Kolat. Der Bruder des Familienvaters ist der Ansicht, dass es sich um einen rechtsextremistischen Überfall gehandelt habe. Es seien fremdenfeindliche Außerungen gefallen.

Der TGD-Vorsitzende Kolat kann das Verhalten der Beamten nicht nachvollziehen. Das müsse ein Nachspiel haben. Er habe mit der Familie persönlich gesprochen und zeigte sich entsetzt. „Dieser Vorfall zeigt, dass die Polizei nicht aus den NSU-Morden gelernt hat und weiterhin mit Vorurteilen vorgeht“, so Kolat weiter. Gegen die Beamten wurde eine Untersuchung eingeleitet. Die Familie müsse beschützt werden, mein Kolat. Die Täter sind weiterhin auf freiem Fuß. Bei einem erneuten Übergriff auf die Familie werde auch die Landesregierung dafür verantwortlich sein.

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