„Körperwelten“: Gunther von Hagens stellt in Ankara aus

Die umstrittene Ausstellung „Körperwelten: Der Zyklus des Lebens“ des bekannten Plastinators Gunther von Hagens wird ab dem 7. September in Ankara zu sehen sein. Bereits vor zwei Jahren konnten die türkischen Besucherinnen und Besucher einen Blick auf die Exponate werfen. Mit Unterstützung der Universität von Ankara wird sie jetzt im Einkaufszentrum Kentpark aufgebaut.

Ihr türkisches Debüt gab „Körperwelten: Der Zyklus des Lebens“ bereits 2010 in Istanbul, wo sie mehr als 400.000 Besucherinnen und Besucher in ihren Bann gezogen hat. Unter ihnen fanden sich nicht nur  Schüler und Studenten aus dem gesamten Land, sondern auch hochrangige Offizielle wie Präsident Abdullah Gül, Istanbuls Bürgermeister Kadir Topbaş oder Kollege Hüseyin Avni Mutlu.

Die Ausstellung únter Kuratorin Dr. Angelina Whalley widmet sich eigenen Angaben zufolge „dem Kreislauf von Entstehen und Vergehen – wie sich der Körper verändert, wie er wächst, reift, den Höhepunkt erreicht und schließlich schwächer wird. Die einzelnen Stationen der Entwicklung des Körpers sowie seine Veränderung im Lauf der Zeit – beginnend bei der Zeugung bis ins hohe Alter – werden anschaulich dargestellt.“ Auf diese Weise erfahre der Besucher, was man tun könne, um seine Gesundheit und eine hohe Lebensqualität möglichst lange zu bewahren. „Der Zyklus des Lebens“, so heißt es in der Ausstellungsbeschreibung, „möchte die Menschen dazu inspirieren, bewusster und gesünder zu leben.“

Plastination 1977 von Dr. Gunther von Hagens entwickelt

Der Mediziner und Wissenschaftler Dr. Gunther von Hagens entwickelte das Verfahren der Plastination, bei der dem Körper Flüssigkeiten und Fette entzogen und durch Kunststoffe ersetzt werden, im Jahr 1977 an der Universität in Heidelberg. Mit Hilfe dieser kontinuierlich weiterentwickelten Methode gelang es ihm, den „Verfall des toten Körpers zu stoppen und feste, geruchlose und dauerhaft haltbare anatomische Präparate für die wissenschaftliche und medizinische Ausbildung herzustellen.“

Ganze 1500 Arbeitsstunden sind nötig, um einen gesamten Menschen zu plastinieren. Doch es geht auch weitaus größer. Das „weltgrößte Plastinat ist ein ausgewachsener Elefant mit einer Größe von 6×3,50 Metern.“ Erstmals gezeigt wurden Präparate dieser Art 1995 in Japan. Seither haben sich die Objekte, die in erster Linie der gesundheitlichen Aufklärung dienen, weltweit in mehr als 70 Städten in Europa, Asien und Amerika über 34 Millionen Menschen angesehen.

Für Kuratorin Dr. Angelina Whalley gehört der Zyklus des Lebens zu den spannendsten Ausstellungen. Menschen um die 50, so erklärt sie gegenüber der türkischen Presse, hätten heute noch ihr halbes Leben vor sich – ganz im Gegensatz zu früheren Generationen. Eine gesunde Lebensweise wäre dieser Tage also umso wichtiger. Nicht ohne Grund werden daher der Einfluss der Umwelt und des Lebenswandels auf den eigenen Körper in verschiedenen Phasen des Lebens vor Augen geführt. Sie wolle zeigen, dass das Altern ein ganz natürlicher Prozess sei, der mit ein bisschen Anstrengung auch kontrolliert werden könne. Jeder von uns, davon ist sie überzeugt, müsse mit einem Auge in der Zukunft leben.

Einfluss von Umwelt und Lebenswandel auf den Körper

„“Die meisten Menschen haben eine Vorstellung davon, wie der menschliche Körper funktioniert. Diese Ausstellung zeigt den Unterschied zwischen gesunden und kranken Organen und deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Die Ausstellung ist eine sehr wichtige und besondere, weil sie die Großartigkeit des menschlichen Körpers zeigt“, meint auch Professor Mehmet Uzel von der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul.

Doch das Ganze hat auch Schattenseiten: Nicht nur einmal hat Dr. von Hagens in den vergangenen Jahren für mediales Aufsehen gesorgt. Neben grundsätzlicher Kritik an der Zurschaustellung von toten Körpern, waren es immer wieder Einzelaktionen, die für öffentliche Aufschreie sorgten, wie etwa ein plastiniertes Paar, das als „schwebender Akt“ für Furore sorgte oder aber sein Vorhaben, Plastinate über das Internet zu verkaufen. Immer wieder zur Debatte stand auch die Herkunft seiner Plastinate.

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