Nach dem Tod von Ediz Bahtiyaroğlu: Wird die Gesundheit türkischer Sportler zu lax überwacht?

Der plötzliche Tod des erst 26-jährigen Eskişehirspor-Spielers Ediz Bahtiyaroğlu infolge eines Herzinfarkts schockierte am vergangenen Mittwochmorgen die Öffentlichkeit. Sein Fall wirft nun jedoch auch Fragen auf, wie gut die Gesundheit von Athleten in der Türkei eigentlich überwacht wird. Schon jetzt werden Forderungen nach einer intensiveren Fürsorge für Laien- als auch Profisportler laut.

Erst gestern wurde Ediz Bahtiyaroğlu zu Grabe getragen. Fassen können das bisher jedoch weder seine Angehörigen, noch sein Umfeld im Fußball (derzeit trauert die türkische Fußballwelt auch um Fußball-Pionier Metin Kurt – mehr hier). Laut Angaben des Club-Arztes von Eskişehirspor, Mehmet Ali Armağan, habe der junge Mann nicht geraucht und auch keinen Alkohol getrunken. Auch das Training sei nicht besonders hart gewesen, so der Mediziner kurz nach der Autopsie, die laut der türkischen Nachrichtenagentur Doğan bestätigt habe, dass er an einem Herzanfall verstorben sei und es keine Spuren von Drogen oder ähnlichem in seinem Körper gegeben hätte.

Noch am Mittwoch hatte man mit einer Zeremonie in Eskişehir Abschied vom dem 26-Jährigen genommen, bevor seine sterblichen Überreste nach Bursa überführt wurden. Gegen halb acht am Vorabend hatte Bahtiyaroğlu seine Trainingseinheit beendet und war später zusammengebrochen. Die sofort herbeigerufenen Rettungshelfer konnten trotz eingeleiteter Maßnahmen nicht mehr viel für den Fußballer tun.

Breite Palette an Vorsorgeuntersuchungen gefordert

Der Tod des Verteidigers habe, so berichtet derzeit die türkische Hürriyet, nun zu einer Debatte über den gesundheitlichen Zustand und die Überwachung von Profi-Athleten im Land geführt. Prof. Emin Ergen, Vorstand des Türkischen Olympischen Kommitees (TMOK), erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anatalia, dass man künftig eine breite Palette an Vorsorgeuntersuchungen anbieten sollte, die sich auch an Amateursportler richteten. Angesprochen auf den Herzanfall von Bahtiyaroğlu, gab er jedoch zu verstehen, dass derartige Herzprobleme, die zum Tod führen, nur schwer erkannt werden könnten. „Leider ist das nicht der erste Fall und wird auch nicht der letzte sein“, macht Ergen deutlich. Es bedürfe detaillierter und spezieller Tests, um solche Herzprobleme zu diagnostizieren.

„Jeder Athlet durchläuft in der Türkei routinemäßige medizinische Tests, aber Tests  beinhalten keine ausführlichen Tests am Herzen. Deshalb bleiben die meisten vererbten Herzprobleme auch unerkannt. Amateur- wie Profisportler sollten genauer überwacht werden. Ich glaube nicht, dass wir ein gutes medizinisches Scanning-System haben.“

Fälle Morosini und Muamba erschüttern die Öffentlichkeit

Erst im April dieses Jahres hatte sich ein ähnliches Drama um den italienischen Fußballer Piermario Morosini zugetragen. Der 25-jährige ehemalige U-21-Nationalspieler brach während eines Zweitligaspiels in Italien auf dem Feld zusammen und starb kurz darauf an den Folgen des erlittenen Herzinfarkts. Auch hier scheiterten sämtliche Wiederbelebungsversuche. Nur kurz zuvor hatte in Großbritannien ein ähnlicher Fall für Bestürzung gesorgt. Fabrice Muamba erlitt in der FA-Cup-Partie zwischen Bolton und Tottenham einen Herzstillstand. Ganze 78 Minuten lang war der Sportler klinisch tot. Den Ärzten gelang es jedoch den 24-jährigen gebürtigen Kongolesen zurückzuholen.

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