Filmfestival in Montreal: Ismail Güneş‘ „Ateşin Düştüğü Yer“ räumt ab

Das türkische Drama „Ateşin Düştüğü Yer“ von Regisseur Ismail Güneş konnte auf dem internationalen Filmfestival in Montreal den Grand prix des Americas, den Hauptpreis der Veranstaltung, abräumen. Daneben erhielt das Werk rund um einen Ehrenmord den renommierten FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung.

Das diesjährige Montreal World Film Festival in Kanada, das vom 23. August bis 3. September über die Bühne ging, endete mit der Preisverleihung und der Vorführung des französischen Films „Un bonheur n’arrive jamais seul“ mit Stars wie Sophie Marceau und Gad Elmaleh.

Der türkische Beitrag „Ateşin Düştüğü Yer“ handelt von der erst 17-jährigen Ayşe (Elifcan Ongurlar), die plötzlich erkrankt und ins Krankenhaus gebracht wird. Während der darauffolgenden Operation stellen die Ärzte fest, dass das Mädchen in der 14. Woche schwanger ist. Infolgedessen weigert sich Ayşe, den Namen des Vaters ihres Kindes preiszugeben. Nun richtet der Familienrat über Ayşe. Ausgerechnet ihr Vater Osman (Hakan Karahan) wird auserwählt, sie zu töten. Gemeinsam begeben sich Vater und Tochter auf eine Reise ins südwestlich gelegene Konya. Ausgerechnet jenen Ort, der ironischerweise auch noch als Heimat des Sufi-Mystikers Rumi gilt, eine Figur aus dem 13. Jahrhundert, die als Symbol für Akzeptanz, Mitgefühl, und bedingungslose Liebe bekannt ist (die türkische Filmszene trauert derzeit um ihren Filmregisseur, Schauspieler und Kunsthistoriker Metin Erksan – mehr hier).

Güneş wurde nach dem Lesen eines Zeitungsartikels im Jahr 2003 zu „Ateşin Düştüğü Yer“ inspiriert (Kollege Kutluğ Ataman lässt seinen neuesten Film über das Internet finanzieren – mehr hier). „Ich habe versucht, die Gefühle des Vaters zu verstehen. Wie kann ein Vater sein eigenes Kind nur als Feind betrachten, weil dieses sich nicht richtig verhalten hatte? Und wie kann er sie nun barbarisch ermorden?“, so der Regisseur gegenüber den türkischen Medien. Die ursprüngliche Geschichte habe er deshalb verändert und versucht, diese besser zu erzählen. So sei er auf die Idee gekommen, die beiden auf eine gemeinsame Reise zu schicken.

Auszeichnungen gab es am vergangenen Montag auch für die Schauspielerin Brigitte Hobmeier und der Berliner Regisseur Dito Tsintsadze. Die Münchnerin war in den Augen der Jury die beste Schauspielerin des Festivals. Für seinen Film „Invasion“ erhielt Tsintsadze den „Besonderen Großen Preis der Jury“.

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