Beko: „Der Zielgruppe geht es um das Produkt und Leistung“

Der türkische Haushaltsgerätehersteller Beko hat sich zu einer internationalen Marke entwickelt. Die türkischen Wurzeln rücken dabei immer mehr in den Hintergrund. Im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten spricht Beko-Deutschland Geschäftsführer Sühel Semerci über die Markenpositionierung, was Basketball mit dem Küchenkauf zu tun hat und warum für ihn eine Karriere in der Türkei nie in Frage kam.

Deutsch Türkische Nachrichten: Stichwort Basketball-Werbung: Wer trifft die Entscheidung beim Küchenkauf? Die Frau oder Mann?

Sühel Semerci:Basketball ist eine Sportart für die ganze Familie. Es gibt wenige Sportarten, wo Sie zu einem Live-Spiel mit Ihren Kleinkindern ohne Angst gehen können. Und grundsätzlich wird auch die Kaufentscheidung gemeinsam in der Familie getroffen. Die Frauen haben im Haushalt noch immer eher das Sagen. Aber heute kochen die Männer, waschen die Wäsche, können einen Geschirrspüler bedienen. Und die Männer sind zudem noch stärker an technischen Einzelheiten interessiert.

Deutsch Türkische Nachrichten: Sind Deutsch-Türken patriotische Käufer?

Sühel Semerci: Ja, der Anteil der Beko-Käufer türkischen Ursprungs ist etwas höher als bei anderen Käufergruppen, aber nicht signifikant. Es gibt aber auch genügend türkischstämmige Deutsche, die – gerade weil sie in Deutschland leben – keine türkische Marke bevorzugen. Es ist auch nicht unser Ziel und wir betreiben kein Ethno-Marketing, sondern bewerben den deutschen Markt und die deutschen Kunden. Und dazu gehören alle, die in Deutschland leben.

Deutsch Türkische Nachrichten: Was läuft in der deutschen Integrationsdebatte gut, was läuft schlecht?

Sühel Semerci: Ich möchte mich dazu politisch nicht äußern. Meine persönliche Erfahrung ist aber, dass man mit Menschen – egal welcher Kultur – nur dann positiv kommunizieren kann, wenn man sich auch in deren Umfeld bewegt. Das können Vereine sein, oder gesellschaftliche Aktivitäten, die es in jeder Stadt und jedem Dorf gibt. Dasselbe gilt aber auch für Deutsche: Es gibt es viele türkische Veranstaltungen, wo auch jeder Deutsche hingehen kann. Das Schlimmste ist zu warten, bis sich die andere Seite bewegt. Denn wenn das beide Seiten machen, dann funktioniert das nicht. Ich bin sowohl in einem türkischen als auch deutschen Umfeld aufgewachsen und habe die schönen Seiten von beiden Kulturen miterleben und mitgestalten können.

Deutsch Türkische Nachrichten: War ein Job in der Türkei nie eine Karriereoption für Sie?

Sühel Semerci: Nein, nicht wirklich. Ich reise gerne in die Türkei, aber eben privat. Am Ende ist man ein Bürger in Deutschland und diese Überlegung gab es für mich nicht. Wenn man als Kind in Deutschland aufwächst, heißt das nicht, dass man seine Wurzeln komplett vergisst. Aber man hat ein inneres Bekenntnis dafür abgelegt, dass man in diesem Land beheimatet ist. Es ist die Wahlheimat. Begriffe wie „Gastarbeiter“ tun nichts Gutes, denn wir sind „Mitbürger“, die einfach eine andere Vergangenheit haben, aber letztendlich in Deutschland zur Entwicklung des Landes beigetragen haben und das auch heute noch tun.

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