Islamrat: Berliner Beschneidungsregelung ist „inakzeptabel“

Eine eigene Beschneidungsregelung in Berlin als Zwischenlösung wird nun von Juden und Muslimen kritisiert. Die Anforderungen seien nicht nachvollziehbar und „inakzeptabel“. Von Eltern, die ihre Söhne beschneiden lassen wollen, wird ein Nachweis über die religiöse Motivation gefordert.

Ein Bundesgesetz zur Rechtssicherheit für die Beschneidungen von Jungen bei Juden und Muslimen ist schon geplant, doch Berlin ging das nicht schnell genug (mehr hier). Hier sind Beschneidungen jetzt schon straffrei durchführen zu lassen, hatte Justizsenator Heilmann am Mittwoch erklärt. Doch die religiöse Praxis ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Das kritisiert der Islamrat und auch andere muslimische und jüdische Verbände heftig. „Die vom Berliner Justizsenator eingeführte Zwischenlösung bei der religiösen Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen erschwert die Beschneidung noch weiter und ist inakzeptabel“, erklärt Islamrat-Vorsitzender Ali Kizilkaya.

Nicht nur die elterliche Einwilligung ist für den Eingriff nach den Vorgaben der Zwischenlösung in Berlin notwendig. Die religiöse Motivation muss dargelegt werden und die jeweilige Religionsgemeinde dies bestätigen. Zudem dürfen die Bescheidungen nur noch durch einen Arzt ausgeführt werden. Das jüdische Gemeindeparlment nennt das Vorgehen „eine flagrante Einmischung in die über 3000 Jahre alten Traditionen des Judentums“.

Dem Islamrat ist nicht klar, was mit der Darlegungspflicht der Eltern über die religiöse Motivation der Beschneidung erreicht werden soll. „Nicht akzeptabel ist die Dokumentations- und Darlegungspflicht der Eltern, dass die Beschneidung religiös motiviert ist und die Beschneidung religiös notwendig ist. Außer Frage steht, dass die Beschneidung für Juden und Muslime eine religiöse Verpflichtung ist“, so Kizilkaya.

Er fordert außerdem, dass auch die jüdische Beschneidungs-Praxis in Betracht gezogen werden müsse. Er meint deshalb, „auch wenn die Beschneidung durch den Arzt bei Muslimen in Deutschland zur Regel zählt, lässt eine generelle Arztpflicht wie in der Berliner ‚Zwischenlösung‘ die jüdische Beschneidungspraxis außer Acht, erschwert sie oder macht sie sogar unmöglich“. Eine eigene Regel in Berlin sei nicht notwendig, so Kizilkaya, da die Rechtssicherheit durch den Bundestag zügig erwartet werde (Westerwelle kündgte dies bereits an – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Rabbi angezeigt: Beschneidungsdebatte in Deutschland flammt wieder auf
Beschneidung: Norwegen will religiöse Praxis durch symbolisches Ritual ersetzen
Beschneidung: Starten jetzt die Österreicher einen Angriff auf die Religionsfreiheit?

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.