Stress im Job: 59 Prozent der Türken fühlen sich angespannter als noch im Vorjahr

Knapp die Hälfte der Teilnehmer einer internationalen Studie zum Thema Stress am Arbeitsplatz gaben an, dass ihr Stresspegel im Vergleich zu 2011 zugenommen hat. In der Türkei, so das Ergebnis von Regus, dem weltweit größten Anbieter flexibler Arbeitsplatzlösungen, seien es bereits gut 59 Prozent. Doch der stetig steigende Druck mit all seinen Konsequenzen ist nicht nur ein Problem für die Mitarbeiter, sondern auch für die Unternehmen.

In einer großangelegten Untersuchung hat Regus, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, mehr als 16.000 Berufstätige in über 80 Ländern befragt. Etwa 48 Prozent der weltweiten Umfrageteilnehmer gaben dabei an, dass ihr Stresspegel im vergangenen Jahr angestiegen sei.

Als Gründe nennt die Studie etwa indirekte Effekte, die sich durch die Instabilität der Eurozone ergeben, Sorgen hinsichtlich möglicher Sparmaßnahmen, aber auch länderspezifische Ursachen. So hätten etwa auch Schwierigkeiten einzelner Staaten bei der Bewältigung des schnellen Wandels, Volkswirtschaften mit überholten hierarchischen Strukturen, eine frustrierte Jugend und Unternehmertum, bis hin zum uralten Kampf von Frauen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Karriere eine Rolle gespielt.

Angeführt wird die Rangliste der am meisten gestressten Arbeitnehmer jedoch weder von türkischen noch von deutschen Beschäftigten. Es sind die Chinesen, die hier die größten Belastungen verspüren. 75 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, heute mehr Stress als noch im letzten Jahr zu haben. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung und mögliche Spill-over-Effekte der Eurokrise haben auch die Aussichten für die chinesische Wirtschaft getrübt

Auch deutsche Arbeitnehmer liegen über dem Stress-Durchschnitt

Auf der anderen Seite, so heißt es weiter, könnten die Anzeichen einer Verlangsamung innerhalb der chinesischen Wirtschaft die Aussichten in Deutschland mehr als die anderer europäischer Staaten beeinflusst haben. Immerhin: Deutschland ist das einzige Land mit einem Handelsüberschuss an China – was aber gleichzeitig auch den Stresspegel von Europas größter Volkswirtschaft nach oben getrieben hat. Mit 58 Prozent, so heißt es, lägen sie deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Wenn nun stressbedingte Befindlichkeiten, die angeblich einen Anteil zwischen 75 und 90 Prozent aller Besuche beim Arzt ausmachen, nun in Fehltage und chronische Erkrankungen münden, würden die Unternehmen auf der anderen Seite einen dramatischen Rückgang ihrer Produktivität erfahren, so eine Schlussfolgerung des Regus-Reports. „Jede Eskalation von Stress sollte als hochgradig negativ und gefährlich eingestuft werden, zumal sich die Weltwirtschaft in der Tat, in einer schwierigen Phase befindet.“ (nur noch 17 Prozent der Türken glauben an einen EU-Beitritt – mehr hier)

Ursachen für Stress vor allem beruflicher Natur

In einer Angelegenheit waren sich die Umfrageteilnehmer übrigens besonders einig: Zwei von drei Hauptgründen für Stress seien ihrer Meinung nach beruflicher und nicht persönlicher Natur. 59 Prozent gaben hier ihren Job, 37 Prozent ihre Kunden an. Besonders hoch sei der Job bedingte Stress derzeit in Mexiko, wo er bei 75 Prozent läge, danach folge China mit 73 Prozent, Kanada mit 63 Prozent und Japan mit 67 Prozent. Persönliche finanzielle Sorgen waren in China mit nur 39 und in Japan mit 21 Prozent sogar unterdurchschnittlich vertreten. Umgekehrt gehörten diese Ängste in Südafrika (62 Prozent), Kanada, Indien und den USA (50 Prozent) jedoch ganz oben auf die Liste (gut zwei Millionen türkischen Familien droht derzeit die Eintreibung – mehr hier).

Weniger als ein Fünftel der Befragten nannten derweil persönliche Gründe als Ursache für ihren Stress. Mit Ausnahme der persönlichen Finanzen, hier lag der Wert bei 44 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Umfrage aber auch auf, dass Arbeitgeber offenbar viel für das Wohlbefinden ihrer Angestellten tun könnten: Flexible Arbeitszeitregelungen werden demnach von 58 Prozent der Befragten als familienfreundlichere Option betrachtet. Für sie, so ein Resultat der Umfrage, seien sie eine der Schlüsselkomponenten zu einer guten „Work-Life-Balance“. In der Türkei wird dieser Aspekt sogar noch stärker betont. Gut 66 Prozent der türkischen Befragten aus 116 Unternehmen, die angaben, dass ihr Stresspegel im vergangenen Jahr um 59 Prozent gestiegen sei, sind überzeugt, dass flexible Arbeitszeiten eine potentielle Lösung seien, um gegen den ansteigenden Stress anzugehen.

„Ein hohes Maß an Stress ist nicht nur eine Belastung für die Arbeitnehmer, sondern auch für die Unternehmen“, warnt Erim Denel, von Regus Türkei. Diese würden mittlerweile erkennen, dass gestresste Arbeitnehmer nicht die gewünschte Leistung erbrächten, mehr Fehltage aufweisen würden und am Ende weniger produktiv seien.

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