Ein Traum wird wahr: 24 Artefakte aus Troja gehen zurück in die Türkei

Bereits seit längerem bemüht sich die Türkei verstärkt darum, Kunst, die einst außer Landes gelangen konnte, zurückzuführen. Jetzt ist gleich ein ganz großer Coup gelungen. Das Land hat 24 Artefakte aus dem sagenumwobenen Troja im Wert von geschätzten zehn Millionen Dollar wieder erhalten. Der juristische Kampf um ihre Heimkehr reicht bereits in die Zeit des Osmanischen Reiches zurück.

Die Exponate aus dem Schatz von Troja, die auf illegalem Weg im Jahr 1873 aus dem Osmanischen Reich geschmuggelt wurden, kehrten am vergangenen Samstag, den 1. September zurück in die Türkei und sind derzeit im Museumfür anatolische Zivilisationen in Ankara zu sehen. Unter den Artefakten, die wenigstens 4500 Jahre alt sind, finden sich unter anderem goldene Armbänder und Halsketten. Zugeordnet werden sie türkischen Medienberichten zufolge der zweiten Periode der historischen Stadt Troja, die neun Mal zerstört und wieder aufgebaut wurde.

Minister Günay vergleicht Wert mit Fliese von İznik

Am vergangenen Dienstag, den 4. September, wurden die kostbaren Stücke nun im Rahmen einer Pressekonferenz im Museum der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch der türkische Kultur- und Tourismusminister Ertuğrul Günay zeigte sich von den Schätzen, die einst von Schatzsuchern ans Tageslicht befördert wurden, begeistert. „Sie könnten um die zehn Millionen Dollar wert sein“, schätzt der Politiker, der sich dafür auf einen Vergleich mit einer Fliese von İznik stützt, die kürzlich auf eine Million Pfund geschätzt wurde. Wenn also bereits eine einzelne antike Fliese so viel wert sei, so die Schlussfolgerung Günays, dann reiche eine Sammlung von 24 Exponaten aus Troja leicht an die zehn Millionen Dollar heran.

Im Jahr 2009 gelangten die 24 Stücke ins Penn Museum in Pennsylvania, welches sich nun dazu bereiterklärte die Stücke an die Türkei zurückzugeben (die Türkei hat gleich mehrere US-Museen kontaktiert – mehr hier). Als „Gegenleistung“ hat das türkische Kultur- und Tourismusministerium zugesagt, die Artefakte für eine Ausstellung 2016 erneut auszuleihen. Minister Günay lobte anlässlich der Vorstellung nun die Kooperation mit den Kollegen im fernen Amerika. Er betonte: „Wir sind bereit mit allen Museen und archäologischen Institutionen auf der Welt zusammenzuarbeiten, die die archäologische Ethik respektieren.“ Seiner Ansicht nach gehöre jedes Artefakt, es sei denn, es sei legal erworben worden, an seinen ursprünglichen Platz.

Türkei steht mit Pushkin Museum in Russland in Verhandlung

Einige Stücke des Schatzes von Troja sind unterdessen im Pushkin Museum in Russland gelandet. Auch hier versucht Russland, die wertvollen Schätze zurückzuholen. Die jetzige Rückführung von 24 Stücken aus den USA hat die Haltung der Türkei nun zusätzlich gestützt. Denn bei den eingeforderten Gegenständen aus Russland handle es sich türkischen Medien zufolge um ähnliche Exponate wie aus Pennsylvania. Somit deute alles darauf hin, dass die im Pushkin Museum befindlichen Teile ebenfalls aus Troja stammten.

Unterdessen läuft in der Türkei aber auch das Geschäft mit den wiedererlangten Stücken an. So sollen schon bald Repliken der zurückgekehrten Troja-Fundstücke in türkischen Museums-Shops zu haben sein. Ausgestellt werden sollen die Originale übrigens in einem eigenen Troja Museum, das in Çanakkale entstehen soll. Eine Ausschreibung für den Bau soll bereits Ende des Monats beginnen.

Rund 4000 Artefakte seit 2007 in die Türkei zurückgekehrt

Für die Türkei ist diese Rückkehr übrigens nicht der erste Erfolg auf diesem Gebiet. Seit September 2007 hat das Land 3,336 Artefakte aus dem Ausland zurückgeholt. Darunter übrigens auch 26 İznik Fliesen aus Großbritannien. Bald sollen weitere Stücke aus Bulgarien dazu kommen. Damit wird die Zahl der aus den USA, Großbritannien, Österreich, Deutschland, Kroatien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz und Serbien heimgekehrten Kunstschätze in den vergangenen fünf Jahren die 4000er-Marke erreichen (auf der anderen Seite wurde kürzlich ein Schweizer Top-Polizist verhaftet, weil er vermutlich einen archäologisch wertvollen Stein aus dem Urlaub mitnehmen wollte – mehr hier).

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