Kurdisches Kulturfestival in Mannheim eskaliert: Polizei kann Menge nicht beruhigen

80 verletzte Polizisten, 13 beschädigte Fahrzeuge, 31 Festnahmen: Das ist die bisherige Bilanz einer Auseinandersetzung zwischen Polizeibeamten und Teilnehmern des 20. kurdischen Kulturfestivals in Mannheim. Auf dem Maimarktgelände wurden die Beamten am vergangenen Samstag von mehreren Hundert Kurden angegriffen und mit Ziegelsteinen und Flaschen beworfen. Laut einem Sprecher habe man mehr als eine Stunde keine Chance gehabt, die Lage zu beruhigen.

Wie Polizeisprecher Martin Boll gegenüber der Rheinischen Post erklärt, sei der Gewaltausbruch am vergangenen Samstag enorm gewesen. Hunderte, so der Beamte, „wenn nicht sogar mehr als Tausend“ kurdische Angreifer seien auf die Polizisten zugestürmt und hätten mit Steinen nach ihnen geworfen. Einen derartigen Gewaltausbruch, so konstatiert er gegenüber dem Medium habe er in 30 Jahren Polizeiarbeit nicht erlebt.

Bis zum Abend hinein seien, so heißt es weiter, immer wieder Ziegel, Wasserflaschen und Feuerwerkskörper von den gewalttätigen oder gewaltbereiten Kurden gegen die 600 eingesetzten Beamten, aber auch gegen die anwesenden Journalisten geschleudert worden. Erst gegen 20 Uhr am Abend habe sich die Lage beruhigt und sich das Veranstaltungsgelände geleert.

Auslöser ist verbotene Flagge eines 14-Jährigen

Das Kulturfestival in Mannheim, so berichtet das Wiesbadener Tagblatt unter Berufung auf Polizeiangaben, habe am Samstag gut 40.000 Kurden aus ganz Europa in die baden-württembergische Universitätsstadt gezogen. Ausgangspunkt der Eskalation, so heißt in mehren Medien übereinstimmend, sei der Hilferuf kurdischer Ordner gen Polizei gewesen. Ein 14-jähriger Festivalbesucher hatte sich geweigert, am Eingang des Geländes eine Flagge mit einem verbotenen politischen Symbol abzugeben. „Allerdings haben die gewaltbereiten Kurden unseren Einsatz ganz offensichtlich als Provokation betrachtet“, zitiert die Rheinische Post Boll weiter. Es kam zum Angriff.

Da es jedoch, laut dem Sprecher, kaum möglich war, mit den Angreifern ins Gespräch zu kommen, habe man in dieser Situation darauf gehofft, dass die anwesenden kurdischen Funktionäre beruhigend einwirken könnten. Die Polizei, so berichtet auch das Tagblatt weiter, zog sich darauf hin erst einmal zurück und forderte Unterstützung an. Doch auch vor den dann anwesenden mehreren Hundertschaften machten die Angreifer nicht Halt. Noch am Samstagabend kommentierte der Polizeisprecher: „Momentan sind wir ziemlich ratlos und wissen nicht, wie wir die Situation bewältigen können.“

Gewalt schon vor Beginn des Kulturfestivals

Die Vorfälle am vergangenen Samstag waren jedoch nicht die ersten dieser Art. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Ein kurdischer Jugendmarsch von Straßburg nach Mannheim musste von den Beamten vorzeitig abgebrochen werden, da die Teilnehmer seit Mittwoch mehrmals türkische oder türkischstämmige Autofahrer angegriffen haben sollen. Neun der insgesamt 100 Teilnehmer des mehrtätigen Marsches wurden in Gewahrsam genommen. Gegen alle würde wegen Landfriedensbruchs ermittelt werden. Am Vorabend des Kulturfestivals hätte eine Gruppe schließlich PKK skandiert und verbotene Fähnchen der Terrororganisation hervorgeholt. Schon hier wurden die Polizisten mit Kieselsteinen beworfen.

Mehr zum Thema:

Bombenanschlag von Gaziantep: Terror fordert zehntes Todesopfer
Erdoğan: „Terroristen demonstrieren Feindschaft gegenüber türkischen Werten”
Medien provozieren Konflikte: Vertreter einer alevitischen Gemeinde klagt an


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.