Fehlkonstruktion: Warum der Euro Europa in den Abgrund reißen wird

Mit der Leitzinssenkung vor 13 Jahren zwang die Regierung Schröder die EZB, Deutschland zu retten. Diese Entscheidung trieb die Südländer in die Katastrophe. Nun wiederholt die EU den Fehler, mit umgekehrten Voraussetzungen. Die Geschichte zeigt: Wegen der unterschiedlichen Volkswirtschaften wird der Euro niemals funktionieren. Wenn der Kurs von EZB und Euro-Gruppe beibehalten wird, ist die europäische Katastrophe unausweichlich.

Dass sich nun die in wirtschaftlichen Fragen komplett ahnungslosen Politiker wie Van Rompuy und Juncker erneut in die Geldpolitik einschalten, ist nur eine logische Folge der seinerzeitigen knallharten deutschen Industriepolitik von Gerhard Schröder. Denn das Problem für Europa wird nicht die Frage sein, ob und wie viele Staatsanleihen die EZB kauft. Man muss kein strenger Keynesianer sein, um zu verstehen, dass der externe Terror der Troika mit stets neuen Sparauflagen die gesamte Euro-Zone ins Verderben führt. Denn die Erkenntnis von Koo, dass Bilanzrezessionen durch radikales Sparen zwangsläufig zu Depressionen führen, ist von der Realität Japans belegt: Bei den Japanern hat genau diese Politik zum verlorenen Jahrzehnt geführt.

Für die Euro-Zone sind die Folgen leicht vorhersehbar: Van Rompuy und Barroso fordern den Sparkurs, weil sie den größten Nettozahler – Deutschland – nicht verärgern wollen. Jean-Claude Juncker ist als Vorsitzender der Euro-Gruppe die denkbar falsche Besetzung: Nicht, weil er die Lüge zum notwenigen politischen Mittel erklärt hat, sondern weil er als Luxemburger Regierungschef knallhart die industriepolitischen Interessen seines Landes vertritt. Luxemburg lebt so gut wie ausschließlich von der Finanzindustrie – die dort ansässigen Banken haben erhebliche Bilanzrisiken. Die EZB ist keine echte Notenbank wie die US Federal Reserve, sondern in ihrer Struktur genauso unvollkommen wie der Euro: Sie kann den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, nicht gerecht werden.

Denn die von Koo aufgezeigte Problematik der nationalen Bilanzrezessionen ist mit einer gemeinsamen Währung nicht nur nicht zu lösen: Mit einer aufgezwungenen Vereinheitlichung der Währung treibt sie alle Beteiligten in den Untergang: Die Südstaaten werden zu Tode gespart, wofür die Bürger zahlen. Den Deutschen wird ihr Erspartes weggenommen, wofür die Bürger zahlen. Die Banken gewinnen immer, weil sie sich über nicht regulierte Wetten (Derivate) immer absichern können. Als finale Absicherung haben die Banken das Bail-Out-Geschäftsmodell durchgesetzt: Den von ihnen komplett abhängigen Regierungen wurde eingeredet, dass vor allem besonders risikoreiche Banken nicht pleitegehen dürfen („Systemrelevanz“).

Dabei übersehen alle, dass der Kernfehler der Euro ist. Die Banken lieben Missverhältnisse: Wie schon bei der Subprime-Krise gesehen, werden faule Papiere so lange zusammengepackt, bis keiner mehr weiß, was drinnen ist (CDO). Wenn dann einer das stinkende Paket eines Tages öffnet, haben die Banken schon längst ihren Schnitt gemacht.

Die realen Volkswirtschaften dagegen können nicht zu einem CDO verschleiert werden. Eine künstliche Währung, die zusammenbindet, was wirtschaftlich nicht zusammengehört, schnürt allen Euro-Staaten die Luft zum Atmen ab. Auf der Strecke bleiben reale Menschen, die zu spät erkennen werden, dass sie sich statt mit der Bundesliga und Germany’s Next Top Model mal besser mit ihrem eigenen wirtschaftlichen Überleben beschäftigt hätten.

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