Kein Angebot aus dem Fremdenverkehrsamt: Gibt die Türkei israelische Gäste auf?

Das türkische Amt für Kultur und Tourismus soll nach Informationen eines israelischen Business-Portals israelische Werbeagenturen nicht zu den diesjährigen Ausschreibungen gebeten haben. Angekündigte Kampagnen habe es bisher ebenfalls nicht gegeben. Die türkische Seite wiegelt ab.

Bereits Anfang Juni dieses Jahres hatte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan durchblicken lassen, was er von Besuchern aus Israel halte. Die türkische Tourismusindustrie, so erklärte er damals der Zeitung „Maariv“, brauche keine Touristen aus Israel. Damit reagierte der Premier harsch auf Androhungen aus Tel Aviv, ein Touristen-Boykott der Türkei zu unterstützen (Israelis bleiben bereits seit längerem fern – mehr hier). Jetzt folgt offenbar der nächste Seitenhieb. Wie das israelische Business-Portal „Globes“ erfahren haben will, wolle die Türkei israelische Gäste wohl ganz aufgeben. Zumindest ist das die Schlussfolgerung, nachdem nicht näher genannte Quellen das Medium darüber informiert hatten, dass das türkische Amt für Kultur und Tourismus Israel von der Liste derjenigen Länder gestrichen habe, für die man ein Budget für Werbe-Kampagnen habe. Darüber hinaus sollen israelische Agenturen nicht zur letzten Ausschreibung des Amtes eingeladen worden sein.

Fremdenverkehrsamt nicht in politische Angelegenheiten verstrickt

„Bis zum vergangenen Jahr“, so berichtet das Portal, „war Israel Teil des jährlichen Budgets des Amtes für Kultur und Tourismus für den Nahen Osten. In den vergangenen Jahren haben sich die Agenturen Inbar Merhav Nissan Advertising und Medium Rare Advertising LLC aus Dubai dieses geteilt.“ Vor einem Jahr hätte die Behörde noch zahlreiche israelische Werbeagenturen via Email eingeladen, sich an der Ausschreibung für das Werbe-Budget zu beteiligen. Das Budget für Israel, so habe es geheißen, läge bei einer Million US-Dollar. Ein Sprecher des Amtes soll zu jener Zeit erklärt haben, dass das die Beziehungen zum israelischen Markt unterstützen würde und dass man ein professionelles Amt wäre, das nicht in politische Angelegenheiten verstrickt sei.

Die Praxis, so konstatiert nun „Globes“, sähe jedoch ganz anders aus. Innerhalb der Ausschreibung sei keine der israelischen Agenturen ausgewählt worden. In Israel selbst habe es zudem keinerlei Werbemaßnahmen gegeben. „Es sieht mittlerweile so aus, als ob das türkische Amt für Kultur und Tourismus sämtliche Anstrengungen aufgegeben hat, israelische Touristen anzuziehen.“

Unterdessen, so wird weiter berichtet, hat sich das Fremdenverkehrsamt selbst zu Wort gemeldet und erklärt: „Das Amt kann Israel nicht in die Ausschreibung hineinnehmen, weil ihm derzeit ein Direktor fehlt. Und ohne einen Leiter ist es nicht möglich ein Budget aufzustellen. (…). Bitte gedulden sie sich, bis sich die diplomatischen Beziehungen verbessern.“

Davos und Mavi Marmara haben Beziehungen deutlich abgekühlt

Doch ob das so schnell geschehen wird, ist fraglich: Erdoğan erklärte zu jener Zeit in dem Gespräch mit der Zeitung weiter, dass Israel drei notwendige Schritte zu unternehmen hätte, um die bilateralen Beziehungen zur Türkei wieder zu verbessern. Konkret geht es dem türkischen Premier um eine Entschuldigung für die Tötung von neun türkischen Aktivisten auf der Mavi Marmara im Jahr 2010, die Zahlung von Schmerzensgeld an ihre Hinterbliebenen (der Anwalt der Opfer behauptete kürzlich, Israel habe sechs Millionen Dollar geboten, damit die Anklage fallen gelassen werde – mehr hier) sowie ein Ende der Gaza-Blockade (ein türkisches Gericht forderte Ende Mai neun Mal lebenslänglich bzw. insgesamt 18.000 Jahre Haft, für die zuständige israelischen Militärs – mehr hier).

Bereits am 13. März dieses Jahres sprachen israelische Beamte eine Warnung an ihre Landsleute aus, nicht in die Türkei zu reisen. Ob diese allerdings Wirkung gezeigt hätte, bezweifelt nicht nur der türkische Premier. Denn auf dem türkischen Tourismusmarkt lässt sich bereits seit Längerem ein neuer Trend ausmachen. War die Türkei bis 2008 begehrtes Reiseziel der Israelis, brachte der israelisch-türkische Konflikt, der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2009 seinen Anfang nahm, auch eine Kehrtwende beim Gang ins Reisebüro. Immer weniger, so fasste die “Jerusalem Post” schon im Oktober vergangenen Jahres zusammen, würden israelische Touristen die Türkei als Urlaubsziel bevorzugen. Diese Lücke füllen nun Urlauber aus den arabischen Ländern.

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