Zweites AKW in der Türkei: Entscheidung über Partner fällt noch dieses Jahr

Die Türkei will bereits in diesem Jahr entscheiden, wer das zweite Kernkraftwerk, das an der Schwarzmeerküste entstehen soll, bauen wird. Das gab der türkischen Energieminister Taner Yildiz an diesem Montag im hiesigen TV bekannt.

Bisher verfügt die Türkei über kein einziges Kernkraftwerk. Doch die Ambitionen sind weitreichend. Bereits in den kommenden Jahren, so wurde in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet, sollen nach dem Willen der türkischen Regierung gleich eine ganze Reihe von Atomkraftwerken entstehen. Der Hintergrund: Die Türkei will endlich ihre Abhängigkeit von ausländischen Öl- und Gaslieferanten reduzieren (Erdoğans Ziel bis 2030: Zehn Prozent der Elektrizität aus Atomenergie beziehen – mehr hier). Schon in diesem Jahr, so berichtet derzeit Reuters, soll entschieden werden, wen die Türkei nach Rosatom für den Bau der zweiten Anlage verpflichtet.

Baubeginn in Akkuyu  schon für 2013 geplant

Bereits seit einiger Zeit ist klar, dass das erste AKW des Landes an der türkischen Mittelmeerküste entstehen soll. Mit ins Boot geholt hat sich die Türkei hierfür das staatlich organisierte russische Atomkraftunternehmen Rosatom. Der Baubeginn soll nach jeztigem Stand pünktlich im Jahr 2013 erfolgen. Doch mit dem Projekt in Akkuyu soll die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Türkei nicht enden. Bereits Ende Juli dieses Jahres signalisierte Alexander Superfin, Generalmanager bei Rosatom, dass das Unternehmen durchaus Interesse am Bau eines zweiten und sogar dritten AKWs in der Türkei habe. Er sei sich allerdings bewusst, dass die Türkei auch mit anderen Ländern wie Kanada, Japan und China über ein solches Vorhaben spreche.

Weder massive Proteste innerhalb der Bevölkerung oder von Seiten der Umweltorganisation Greenpeace noch die Katastrophe von Fukushima konnten die türkische Regierung bisher von ihrem strikten Atomkurs abbringen (das türkische Volk nimmt gerade nach Fukushima die Risiken sehr ernst – mehr hier). Ein ums andere Mal wird argumentiert, dass für die Sicherheit gesorgt werde, indem man sich an den Richtlinien der Internationalen Atomenergie Behörde (IAEA) orientiere. Dennoch geäußerte Bedenken – die Türkei gilt auf Grund ihrer besonderen tektonischen Lage immerhin generell als sehr erdbebengefährdet und immer wieder kommt es zu starken Erschütterungen mit verheerenden Konsequenzen – werden in den Wind geschlagen. Für die Regierung ist derzeit das Problem des hohen Energieimports und der immer wieder eintretenden Engpässe offenbar wichtiger.

AKW am Schwarzen Meer: Verhandlung mit Japan abgebrochen

Bezüglich eines zweiten Werks am Schwarzen Meer stand die Türkei übrigens schon 2010 in Verhandlung mit Japan. Diese wurden jedoch durch die verheerende Erdbeben- und Tsunamikatastrophe, die die Insel im März 2011 heimgesucht und auch das Kernkraftwerk Fukushima schwer beschädigt hat, jäh unterbrochen. Ob es aktuell schon einen neuen Favorite gibt, dazu äußerste sich Taner Yildiz nun allerdings nicht.

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