Getötet, weil er homosexuell war: 14-Jähriger stirbt im Kugelhagel von Vater und Onkel

Der Mord an einem 14-jährigen Jungen beschäftigt derzeit die türkische Öffentlichkeit. Der Teenager wurde vermeintlich von seinem eigenen Vater und dem Onkel getötet, weil er sich zu Männern hingezogen fühlte.

Zugetragen hat sich die Greueltat an dem in den Medien nur als „RA“ bekannten Jungen bereits im vergangenen Juli in der südöstlichen Provinz Diyarbakir. Mittlerweile wurde die beiden mutmaßlichen Täter wegen Mordes von der Polizei verhaftet. Dass das Ganze erst jetzt ans Tageslicht kommt, ist nach Ansicht der türkischen Schwulen-Community auf die einflussreiche Familie des Opfers zurückzuführen. „Wir sind die Opfer von Gewalt, aber es gibt keinen Ort, wo wir eine Beschwerde einreichen oder unsere Rechte geltend machen können“, klagt eine anonyme Quelle gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet. Die Polizei würde Homosexuelle beleidigen und beschimpfen, Ärzte sich über sie lustig machen (die Türkei liegt an der Spitze bei Verletzungen der Menschenrechte – mehr hier).

Vater schießt 14 Mal auf den eigenen Sohn

Zum Zeitpunkt seines Todes hielt sich „RA“ gerade im Haus eines Freundes auf. Neuerliche gewaltätige Zusammenstöße mit seiner Familie habe er vermeiden wollen. Doch sein Onkel soll ihn  zurück nach Hause geschleift haben. Und dort, so heißt es weiter, habe sein Vater nach einer Auseinandersetzung ganze 14 Mal auf ihn schossen. Später sollen die beiden Männer den toten Körper einfach am Straßenrand entsorgt haben.

Noch immer ist die Situation für Homosexuelle in der Türkei nicht gerade einfach. Zwar gibt es in Städten wie Istanbul oder Diyarbakir eine hohe Anzahl, doch die meisten Aktivitäten, so berichtet das Portal queerty.com, würden sich noch immer im Untergrund abspielen. Wer sich offen als schwul oder lesbisch bekennt risikiere nach wie vor Diskriminierungen oder Belästigungen – im schlimmsten Fall, wie hier, kommt es zu massiver Gewalt. Obendrein stünde noch nicht einmal die Justiz auf ihrer Seite. Türkische Gerichte würden Täter, die einen Homosexuellen oder einen Transsexuellen getötet hätten, mit niedrigeren Strafen davon kommen lassen.

Und noch ein Umstand, so das Portal weiter, falle auf. Obwohl die Türkei allgemein als moderates muslimisches Land wahrgenommen werde, habe die Türkei auch seinen Anteil an sogenannten „Ehrenmorden“ an Homosexuellen. Einer der wohl bekanntesten Fälle ereignete sich demnach im Jahr 2008. Damals wurde der 26-jährige Student und Aktivist Ahmet Yildiz erschossen (von der Wehrpflicht sind Homosexuelle immer noch ausgeschlossen – mehr hier).

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