Schulbeginn in der Türkei: Ministerium stellt 40.000 neue Lehrkräfte ein

In Abwesenheit wurden am vergangenen Montag rund 40.000 Türkinnen und Türken während einer Zeremonie im Bildungsministerium in Ankara zu frischgebackenen Vollzeit-Lehrkräften an staatlichen Schulen ernannt. Den Lehrermangel wirklich beheben können sie allerdings nicht.

Wie das Ministerium auf seiner Internetseite bekannt gab, seien zu Wochenbeginn exakt 40,164 Lehrkräfte eingestellt worden. Unter ihnen befänden sich 4,635 Türkisch-Lehrer, 4,337 Vorschul-Kräfte und 3,876 Mathematik-Lehrer. Die Auswahl der Kandidaten erfolgte über ihre Resulate beim so genannten Auswahltest für Staatspersonal (KPSS). Diejenigen, die nun ernannt wurden, nehmen umgehend ihre Arbeit auf.

Ministerium will Lehrpersonal auf 780,000 aufstocken

Wie Hikmet Çolak, Personaldirektor des Ministeriums, weiter mitteilt, seien rund 22,000 Lehrkräfte in die 29 Provinzen mit dem größten Bedarf entsandt worden. 6000 von ihnen würden ihren Dienst künftig in Istanbul verrichten. In diesen Gegenden sei der Bedarf nun zu 70 Prozend gedeckt. Zufriedenstellend, das räumt Çolak ein, sei die jetzige Situation allerdings nicht. Nun hätte man die Hälfte der tatsächlich benötigten Lehrer in Istanbul zur Verfügung. In anderen Provinzen sei der Bedarf nur zu 35 Prozent abgedeckt. Aktuell gäbe es 740,000 Lehrkräfte, 75,000 von ihnen leiten eine Bildungseinrichtung. Es sei jedoch geplant, die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer auf 780,000 aufzustocken.

Das Wohl der Kinder, so Çolak weiter, wolle man in sichere Hände legen. Weiterer Bedarf herrsche derzeit in den Fächern Türkisch, Mathematik für die Grundschule, Sport, Wissenschaft und Technik, Religion und Ethik sowie Englisch. Daneben würden Lehrkräfte für geistig Behinderte ebenso gesucht wie Kräfte für Musik, Malerei und Geographie. Insgesamt hatten sich 101,743 Kandidatinnen und Kandidaten für eine solche Position beworben.

4+4+4-Schulreform wirft Einrichtungen ins kalte Wasser

Bereits am kommenden Montag beginnt für türkische Schulkinder wieder der Unterricht. Seit dieser Woche sind bereits die jüngsten Buben und Mädchen an der Reihe. Durch die 4+4+4-Schulreform hat sich die Situation jedoch noch einmal zusätzlich verschärft. Lehrpläne, so bemängeln Pädagogen, seien noch gar nicht ausgearbeitet, das Schuleintrittsalter unter 72 Monaten zu früh. Das zeigt unter anderem auch ein kürzlich vom Verband für Bildung und Wissenschaft (Eğitim Sen) veröffentlichter Bericht, der eine Zusammenfassung der Probleme beinhaltet, die aufgrund der Reform entstehen könnten. Der Verband bemängelte, dass die Zahl der Schulanfänger um 75 Prozent steigen werde, jedoch keine neuen Klassen vorgesehen seien. Allein neue Imam-Hatip-Schulen seien gegründet worden (sie schossen wie Pilze aus dem Boden – mehr hier).

Doch selbst Unterstützer der aktuellen Reform sind sich bewusst, dass die Schulen nicht auf die neue Situation vorbereitet sind. Die Umsetzung der Reform ist offensichtlich übereilt. Noch nicht einmal die sanitären Anlagen sind für Kinder, die mit fünf Jahren kleiner sind als die bisherigen sechsjährigen Schulanfänger, geeignet. Sie sind schlichtweg viel zu hoch (in Griechenland geben Eltern enorm viel Geld für zusätzliche Bildung aus – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Bildungsoffensive: TÜBİTAK will türkische Schüler für Wissenschaft begeistern
Bildungsreform: Türkische Schulen sind nicht ausreichend vorbereitet
Kampf gegen Übergewicht: Türkische Schulkinder sollen künftig täglich eine Stunde turnen


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.