9/11: Auch nach elf Jahren sind die Ereignisse nicht in den Griff zu bekommen

Viele Amerikaner machen für die Terroranschläge vom 11. September 2001, bei denen Tausende Menschen ums Leben kamen, den Islam und Muslime im Allgemeinen verantwortlich. Dabei sind am Ground Zero auch viele Muslime ums Leben gekommen, die wie alle anderen Amerikaner am besagten Tag ihrer Arbeit nachgingen. Ihre Angehörigen trauern jedes Jahr gemeinsam mit allen anderen um die Opfer der Anschläge. Und sie haben noch immer Angst.

Die vergangenen zehn Jahrestage des 11. September wurden weltweit für Gedenkfeiern, stille Gebete und Trauer genutzt. Doch einige machen an diesem Tag auch ihrer Wut über den schrecklichen Anschlag Luft. Oft traf die Wut der Bürger Muslime und ihre Religion im Allgemeinen, ohne zu differenzieren. So wurden Koranexemplare an den Jahrestagen verbrannt oder sogar „Koran-Toilettenpapier“ direkt am Ground Zero verkauft.

Der Journalist Robert Tilford erinnert im Examiner daran, dass auch muslimische Amerikaner an diesem Tag starben. „In der Tat starben rund 60 Mulime am Ground Zero, darunter Elektriker, Stahlarbeiter, Finanzanalysten, Sekretäre – alle starben, als das World Trade Center durch islamistische Radikale zerstört wurde“, so Tilford.

Das World Trade Center war, so der Bericht weiter, auch Gebetsort für viele Muslime. „Es fühlte sich an wie eine echte Moschee“, erklärt etwa Zafar Sareshwala über den Raum im 17. Stock, in dem er manchmal gebetet habe.

Jahrestag: Muslime bleiben aus Angst zu Hause

Doch seither gehen die Beschädigungen weiter: Moscheen in Tempe und Phoenix wurde mit Eiern beworfen. Ein Van, der einer muslimischen Wohltätigkeitsorganisation gehörte, wurde in Chicago verwüstet. Es gibt unzählige Meldungen über Bedrohungen am Telefon. Die Anrufer hinterließen schaurige Nachrichten auf den Anrufbeantwortern. Dazu kommen Hunderte Nachrichten über böse Emails und Gespräche. Viele Muslime in Amerika bleiben an diesem Tag aus Angst vor Gewalt zu Hause. Gewalt, die ihnen von den eigenen Nachbarn und Mitgliedern der Gemeinschaft widerfahren könnte (Muslime gehören aktuell zu den unbeliebtesten Minderheiten – mehr hier).

Im Schutze der Anonymität erklärt ein Bruder gegenüber dem Autor: „9/11 war wie eine riesige Welle der Repression, die über die ganze muslimische Community hier in Amerika hereinbrach. Jeder konnte das fühlen.“

Und dann gab es Fälle wie der des Pastors Jones, der damit drohte, am 11. September den Koran zu verbrennen. Die Protestwelle, die darauf hin in Afghanistan losbrach und zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Demonstranten, der Polizei und Sicherheitskräften führte, forderte Hunderte Verletzte. Nur in diesem Fall, so konstatiert der Autor, seien die Amerikaner das Ziel von Spott, Hass und Missbrauch durch Menschen gewesen, die behaupten, den Koran zu verteidigen.

9/11: Ein Tag des Hasses und der Gewalt

Der 11. September, so schließt Robert Tilford, sei kein Tag der Erinnerung. Er sei zu einem Tag des Hasses und der Gewalt, die sich gegen unschuldige Menschen richtet, verkommen. „Selbst nach elf Jahren scheinen wir noch immer nicht im Griff zu haben, was sich damals ereignete. Es ist das Spiegelbild eines kranken amerikanischen Herzens.“ (erst vor einigen Monaten löste das Pentagon einen Militärkurs auf, in dem den Beteiligten Hass gegen den Islam beigebracht wurde – mehr hier)

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