Unruhen in Syrien: Mehrheit der Türken ist gegen eine Intervention

Eine klare Mehrheit der Türken ist derzeit gegen eine militärische Intervention in Syrien, um die dort tobende Gewalt zu beenden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der unabhängigen US-amerikanische Stiftung German Marshall Fund of the United States (GMF).

Gut 57 Prozent der vom US-Forschungsinstitut befragten Türkinnen und Türken lehnten eine militärische Intervention der Türkei kategorisch ab. Die Zahl der Befragten, die sich gegen ein solches Eingreifen aussprechen, würden sich, so berichtet derzeit die türkische Hürriyet, sogar noch auf 63 Prozent erhöhen, wenn Russland und China ihre Stellung als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats nutzen und ein Veto gegen eine Intervention einlegen würden. Gleichzeitig, so heißt es weiter, würden sich 32 Prozent der Umfrageteilnehmer für eine Intervention aussprechen (derweil denkt die Opposition schon an die Zeit nach Baschar al-Assad und fordert einen Marshall Plan – mehr hier).

Die türkischen Zahlen spiegelten zudem Befunde wider, die sich auch andernorts ergeben hätten. So seien etwa 55 Prozent der Befragten aus den USA ebenfalls gegen eine Intervention, genauso wie 59 Prozent ihrer EU-Kollegen. Darüber hinaus ergab die Umfrage auch, dass in der Türkei erstmals mehr Menschen Sorge vor möglichen Atomwaffen im Iran haben als in früheren Tagen.

Prinzip Verantwortung: Türken bleiben hinter EU-Durchschnitt

Die Studie „Transatlantic Trends“, die bereits in den vergangenen elf Jahren durchgeführt wurde, beinhaltete nun erstmals auch Russland. Während Amerikaner und Europäer der Verantwortung, Zivilisten vor Gewalt zu schützen, breite Zustimmung einräumen – ein Konzept wie es übrigens auch in Kriegen in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und zuletzt  in Libyen dominierte – haben sie einen anderen Blickwinkel darauf, wie diese Verantwortung erfüllt werden sollte (in der Türkei laufen die Vorbereitungen für weitere Flüchtlinge derzeit auf Hochtouren – mehr hier).

Immerhin: Russland (bei 40 Prozent) sowie die Türkei und Polen (42 Prozent) zeigten grundsätzlich geringere Unterstützung für das Prinzip der Verantwortung, Zivilisten vor Gewalt zu schützen. Der EU-Durchschnitt lag hier bei 67 Prozent. Die höchsten Werte erreichten hier Schweden (81 Prozent) und Frankreich (76 Prozent). Auf der anderen Seite sind sich 35 Prozent der Türken einig, dass Krieg manchmal nötig sei, um Gerechtigkeit zu erlangen. Mit dieser Haltung liegen sie einen Prozentpunkt über dem europäischen Durchschnitt. Im Gegensatz dazu betrug die Rate in den Vereinigten Staaten 74 Prozent.

König Abdullah II. fürchtet Auseinanderbrechen Syriens

Wie an diesem Mittwoch bekannt wurde, zeigt sich nun auch der jordanischen König Abdullah II. „extrem besorgt“ hinsichtlich einer möglichen Ausweitung des Syrienkonflikts. Wie derzeit Welt Online berichtet, habe der Monarch vor einem Auseinanderbrechen Syriens und einem Übergreifen des Konflikts auf die Nachbarstaaten gewarnt. In einem AFP-Exklusivinterview warnte er: Die Zunahme der Gewalt zwischen Sunniten und Alawiten in Syrien gefährde „nicht nur die Einheit Syriens, sondern könnte auch der Auftakt zu einem Übergreifen des Konflikts auf Nachbarländer mit einer ähnlichen konfessionellen Zusammensetzung sein“. Von seinem Palast in Amman aus stellte er klar: „Ein inklusiver Übergangsprozess ist der einzige Weg, die Eskalation der konfessionellen Gewalt zu stoppen.“ (erst am vergangenen Dienstag kam ein im Libanon entführter türkischer Geschäftsmann wieder frei – mehr hier)

Hier geht es zum vollständigen Transatlantic Trends 2012 Report.

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