OECD Bericht: Kaum Bildung und Arbeit für türkische Frauen

Die Türkei hat dieser Tage eine neue Spitzenposition eingenommen. Die Errungenschaft ist allerdings alles andere als rühmlich. Das Land führt mittlerweile die Liste derjenigen Länder an, in denen die Zahl der Frauen, die im Alter zwischen 15 und 29 Jahren weder eine Ausbildung haben noch am Arbeitsmarkt partizipieren, am höchsten ist. Das ist das Ergebnis eines aktuellen OECD-Berichts.

Der kürzlich veröffentlichte OECD-Bericht „Education at a Glance 2012“, so schreibt aktuell die türkische Tageszeitung Milliyet, basiert auf Daten zum Thema Bildung aus dem Jahre 2010. Erfasst worden sind 34 OECD-Staaten, zwei nicht-OECD-Länder sowie andere G20-Nationen. Insgesamt wurden 50 Staaten, darunter die Türkei, Argentinien, Brasilien , China, Indien, Indonesien, Russland, Saudi-Arabien und Südafrika, hinsichtlich der Teilnahme ihrer Bürgerinnen und Bürger am Unterricht und am Arbeitsmarkt untersucht.

Frauen zwischen 15 und 29: 7 Jahre verbringen sie zu Hause

Im Gesamtklassement hervor sticht die Türkei, wenn es um Bildung und Arbeit bei Frauen geht. So verbringen Damen zwischen 15 und 29 Jahren hierzulande die kürzeste Zeit in der Ausbildung, nämlich durchschnittlich nur 4.3 Jahre. Während es ihre männlichen Kollegen auf immerhin fünf Jahre im Schnitt bringen. Der Türkei dicht auf den Fersen ist hier Mexiko. Hier bringen die Frauen etwas länger als fünf Jahre mit dem Lernen zu. Ganz oben auf der Liste sind beide Länder auch, wenn man sich die Rate der Frauen ansieht, die außerhalb der Erwerbsbevölkerung stehen. In den 14 Jahren, den die türkischen Frauen zwischen 15 und 29 umreißen, verbringen sie ganze sieben Jahre ohne Arbeit. Im selben Zeitraum kommen mexikanische Frauen auf 5,1 Jahre ohne in einem Angestelltenverhältnis zu stehen.

„52 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 29 in der Türkei gehen weder arbeiten noch zur Schule. Bei den türkischen Männern liegt der Anteil bei 20 Prozent“, fassen die türkischen Medien zusammen. Ein wesentlicher Grund für diese Zahlen sei, laut OECD-Bericht, dass man hierzulande die Gründung einer Familie oftmals dem Abschluss einer Ausbildung vorziehe. Im entsprechenden Bericht aus dem vergangenen Jahr, der sich auf Daten von 2009 bezog, war das bereits ganz ähnlich. Schon damals war der Anteil der Frauen, die weder arbeiten noch eine Ausbildung hatten bei 55,4 Prozent – Spitzenposition für die Türkei.

Türkei: Nur wenige schaffen es auf die Universität

Während die durchschnittliche Schulbildung in den OECD-Ländern bei 13 Jahren liegt, kämen 90 Prozent der Türkinnen und Türken, wie in China, Indonesien und Saudi-Arabien, auf gerade einmal acht bis zehn Jahre (auf die aktuelle Bildungsreform ist die Türkei allerdings nicht ausreichend vorbereitet – mehr hier). Der Grund: Nach der Regelschule geht es für viele Schülerinnen und Schüler eben nicht weiter. Und das hat Konsequenzen: Laut OECD-Bericht gehört die Türkei derzeit zu den Top drei Nationen – neben China und Brasilien – mit dem geringsten Anteil an Kandidaten, die es auf eine Universität schaffen. Der Anteil derjenigen, die nach ihrer Schulzeit tatsächlich eine Hochschule besuchten, läge bei 20 Prozent. In Brasilien liegt der Anteil bei zwölf, in China gar nur bei sechs Prozent.

Dürftig erscheinen auch die monetären Anreize für türkische Lehrkräfte. Laut OECD verdienen sie im Schnitt 27,237 US-Dollar jährlich. Damit habe sich ihr Einkommen in den Jahren 2000 bis 2011 zwar bereits verdoppelt, doch mit anderen OECD-Staaten kann diese Summe nicht mithalten. Hier liegt der Schnitt bei 49,721 US-Dollar (pünktlich zum neuen Schuljahr hat die Türkei rund 40.000 neue Lehrkräfte eingestellt – mehr hier).

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