Anti-islamischer Film: Proteste über US-Streifen breiten sich weiter aus

Auch nach der tödlichen Attacke auf US-Botschafter Christopher Stevens und drei seiner Mitarbeiter in Libyen reißen die Unruhen über den anti-islamischen Film „Die Unschuld der Muslime“ nicht ab. Die Vereinigten Staaten selbst distanzieren sich von dem Machwerk, das in den Augen der Demonstranten den Propheten Mohammed beleidigt.

Aktuell:
Alle Proteste auf einen Blick auf Google Maps

Bereits kurz nach dem Mord an US-Botschafter Christopher Stevens und drei seiner Mitarbeiter am vergangenen Dienstagabend in Benghasi hatte US-Präsident Barack Obama verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für US-Diplomaten angekündigt (er verurteilte die Tat als „verabscheuungswürdigen Angriff“ – mehr hier). Jetzt macht Washington Ernst. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, seien See-und Luftstreitkräfte nach Libyen entsandt worden, nachdem sich die Proteste über den islamkritischen Film „Die Unschuld der Muslime“ auf andere Länder in der Region ausgebreitet hätten. Alle dort gelegenen diplomatischen Missionen, so heißt es weiter, seien in Alarmbereitschaft.

Demonstranten versuchen US-Botschaft zu stürmen

Nachdem der aufgeheizte Mob am 11. September in Benghasi wütete und die vier US-Staatsangehörigen tötete, kosteten die Unruhen nur wenig später mindestens drei Person im Jemen das Leben. Fünf weitere Demonstranten wurden verletzt, als sie sich vor der US-Botschaft in Sanaa versammelt hatten, Autos in Brand steckten und versuchten das Gelände zu stürmen. Mit Tränengas und Warnschüssen, so heißt es weiter, habe man die Menge – es sollen bis zu 4000 Menschen gewesen sein – in Schach halten wollen. Inzwischen habe sich auch der jemenitische Präsident Abdrabuh Mansur Hadi direkt bei seinem amerikanischen Amtskollegen Obama un dem amerikanischen Volk für die Taten des „Mobs“ entschuldigt. Eine Untersuchung des Vorfalls habe er bereits angeordnet, so die staatliche Nachrichtenagentur Saba (wegen Pastor Terry Jones kam es bereits im vergangenen Jahr in Afghanistan zu schwern Unruhen – mehr hier).

Doch nicht nur dort kam es zu weiteren Ausschreitungen. Auch in Ägypten, in Afghanistan, im Gaza-Streifen und in Pakistan kannte der Zorn der Menschen über das Schmäh-Video keine Grenzen. In Kairo kam es zu blutigen Auseiandersetzungen mit der Polizei. Die Folge: Mehr als 200 Verletzte. In Pakistan und Afghanistan sperrten die Behörden nun vorsorglich den Zugang zu YouTube, um weitere Unruhen zu vermeiden. Proteste wurden darüber hinaus aus dem Iran und Tunesien gemeldet. In Saudi-Arabien hätten sich die Menschen, Medienberichten zufolge, über Twitter organisiert und zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.

US-Streitkräfte sollen für mehr Sicherheit sorgen

In der Zwischenzeit hat sich auch US-Außenministerin Hillary Clinton zu Wort gemeldet und stellte heraus, dass sich die USA ganz klar von dem Film distanziere. Inhalt und Botschaft, so Clinton, würde man absolut ablehnen. In ihren Augen handle es sich um ein „abscheuliches“ und „verwerfliches“ Machwerk. „Es scheint sich um eine zutiefst zynische Zweck haben: Eine große Religion zu verunglimpfen und Wut provozieren“, konstatiert die Politikerin. Als Antwort auf die Attacke vom 11. September entsandte man nun Kriegsschiffe und Überwachungsdrohnen gen Libyen. Zum Einsatz, so die Hürriyet weiter, kämen zwei Marinezerstörer in den Gewässern vor Libyen und ein 50-köpfiges Team der US-Marines, das die Sicherheit der Botschaft in Tripolis stärken solle. Daneben stünden den Streitkräften unbemannte Drohnen zur Verfügung.

Libyen hat unterdessen eine Untersuchung der Vorfälle in Benghasi eingeleitet. Derzeit kursieren Gerüchte, dass sich unter den wütenden Mob auch Kämpfer der Al Qaida gesellt haben könnten. Es gibt Befürchtungen, dass es nach den Freitagsgebeten zu erneuten Ausschreitungen kommen könnte.

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