Nahrungsmittel-Preise außer Kontrolle: Spekulanten ruinieren den Markt

Wieder sind extreme Preisanstiege bei Lebensmitteln zu beobachten. Ein Umstand, der nicht allein auf den Klimawandel geschoben werden kann, erklärt Jan Urhahn von Oxfam. Lebensmittelspekulation führen zu volatilen Preisen und gefährden in erster Linie die Ärmsten der Armen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Aktuell sind wieder Preisanstiege für Nahrungsmittel zu verzeichnen. Woher kann man wissen, ob das mit den Lebensmittelspekulationen zusammenhängt?

Stattdessen orientieren sie sich am Profit. Das sind Akteure, die sich mit dem Markt und den Rohstoffen wenig auskennen. Sie analysieren vielleicht bestimmte Preistrends der Vergangenheit und schließen dann daraus auf mögliche Preisentwicklungen in der Zukunft. Die Aktivitäten dieser Finanzakteure an den Agrarterminmärkten folgen nur bestimmten Erwartungen, die auf bestimmten Entwicklungen basieren, haben aber nichts mit den Fundamentaldaten zu tun.

Deutsch Türkische Nachrichten: Auch deutsche Finanzinsitute wie die Deutsche Bank oder die Allianz sind in Lebensmittelsepkulation verwickelt. Viele Organisationen begrüßten deshalb den Schritt der Deutschen Bank, in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte aufzulegen. Wie sehen Sie diesen Schritt?

Jan Urhahn: Wir waren natürlich nicht in direkter Interaktion mit der Deutschen Bank und wissen nicht, was sie mit Foodwatch ausgehandelt hat, letztendlich ist diese Entwicklung ja auf Kampagnen von Foodwatch zurückzuführen. Im ersten Moment klingt das natürlich einsichtig. Die Deutsche Bank hätte aber genauso gut aussteigen können wie das schon andere Banken getan haben.

Was sie angekündigt haben, lässt natürlich auch offen, inwiefern bestehende Produkte fortgeführt werden und dann weiterhin dazu führen, dass Hungerkrisen verschärft werden. Und die Deutsche Bank lässt auch offen, ob sie bestehende Fonds aufstockt wird oder ob sie sogar neue Fonds auflegen wird, die nicht an der Börse gehandelt sind. Es gibt diesen ganzen over-the-counter Handel, der absolut intransparent ist. Es besteht die Gefahr, dass das, was die Deutsche Bank gerade veranstaltet, eine nett gemeinte PR-Geschichte ist.

Deutsch Türkische Nachrichten: Die Deutsche Bank rechtfertigt die Fortführung bestehender Produkte mit der unklaren Forschungslage zu dem Thema. Es sei nicht bewiesen, dass Preisschwankungen auf die Finanzgeschäfte zurückgingen. Wie kann es zu solch unterschiedlichen Studienergebnissen kommen?

Jan Urhahn: Es wird wahrscheinlich unmöglich sein, eine hundertprozentige Kausalität zwischen Spekulationen und volatilen Preisen nachzuweisen. Das ist aber bei ökonomischen Fragen immer so und damit gar nichts neues. Die Zahl der Studien, die sagen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln und den entsprechenden steigenden und volatilen Preisen gibt, ist sehr groß.

Wenn selbst Organisationen wie die Weltbank und die FAO – der man in keinster Art und Weise zuschreiben kann, dass sie gerne gegen große private Unternehmen Politik macht – sagen, dass es Zusammenhänge gibt, dann ist es auch für uns ein Indiz.

Jan Urhahn ist Klimaexperte bei der unabhängigen Entwicklungsorganisation Oxfam Deutschland. Oxfam engagiert sich gegen die Beteiligung der Allianz an der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

 

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