Schulanfang in der Türkei: für 17 Millionen Kinder beginnt nun wieder der Ernst des Lebens

Seit diesen Montagmorgen herrscht wieder Ruhe in türkischen Kinderzimmern. Für gut 17 Millionen Schülerinnen und Schüler und ihre rund 800.000 Lehrerinnen und Lehrer heißt es nach drei Monaten Ferien nun wieder ab ins Klassenzimmer. Zurechtkommen müssen sie ab sofort nicht nur mit dem Schulalltag, sondern auch mit den Auswirkungen der Bildungsreform.

Im Zuge der als „4+4+4“ bekannten Bildungsreform drücken türkische Jungen und Mädchen künftig ganze zwölf, statt bisher acht Jahre die Schulbank. Zudem werden sie ab sofort früher mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. Bereits mit 66 Monaten heißt es weg von Mama und ab in die Schule. Für die Kleinsten der Kleinen begann der Schulalltag schon in der vergangenen Woche mit einer Orientierungsphase, in der sich die Kinder der Vorschule und der ersten Klasse mit Spaß und Spiel an die neue Situation gewöhnen konnten.

Seit seiner Veröffentlichtung im türkischen Amtsblatt am 11. April 2012 stieß das neue Bildungsgesetz auf massiven Widerstand. Kritiker bemängelten, dass die derzeitige Infrastruktur nicht für die geplanten Neuerungen ausgelegt sei. Zudem befürchteten Eltern und Fachleute, dass das nun vorgegebene Schuleintrittsalter schlicht zu früh angesetzt sei (schon am ersten Tag zeichneten sich Probleme ab – mehr hier).

Zahl der Klassenräume reicht nicht aus

Und in der Tat: Schon vor der aktuellen Schulreform war etwa die Zahl der zur Verfügung stehenden Klassenräume mehr als unzureichend. Nun hat sich die Situation noch einmal verschärft. „Trotz der 11,536 Klassenräume, die gebaut worden sind, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, brauchen viele Städte dringend weitere Klassenräume, um auch adäquate Bedingungen für die Bildung bereitstellen zu können“, fasst etwa die Tageszeitung Zaman die aktuelle Lage zusammen (zum Schulbeginn wurden zudem 40.000 neue Lehrkräfte eingestellt – mehr hier).

Derweil plagen Eltern noch ganz andere Sorgen. So gäbe es unter anderem Bedenken, dass Kinder, die den Unterricht am Vormittag besuchen, unter Schlafstörungen leiden könnten, da die meisten von ihnen schon vor Sonnenaufgang aufstehen müssten, um den Unterricht rechtzeitig zu erreichen. Auf der anderen Seite seien diejenigen, die erst am Nachmittag zur Schule kämen, gezwungen, bis etwa 19 oder auch 19.30 Uhr zu bleiben. Ob darüber hinaus Zeit für genügend Pausen bleibe, sei noch einmal eine ganz andere Frage.

Das Schuljahr 2012/2013 dauert nun bis zum 14. Juni 2013.

Mehr zum Thema:

Erster Schultag in der Türkei: Jüngere Erstklässler sind unruhiger und ängstlicher
Bildungsreform: Türkische Schulen sind nicht ausreichend vorbereitet
Kampf gegen Übergewicht: Türkische Schulkinder sollen künftig täglich eine Stunde turnen


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.