Niedrigster Stand in zehn Jahren: Türkische Arbeitslosenzahlen fallen auf 8 Prozent

Bereits das zweite Quartal in Folge kann die Türkei ihre Arbeitslosenzahlen auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren halten. Nachdem diese im Mai 2012 bereits auf 8,2 Prozent gesunken waren, kann nun für die Zeit von Mai bis Juli ein weiterer Rückgang auf 8 Prozent verbucht werden.

In den vergangenen drei Monaten, so berichtet aktuell die türkische Tageszeitung Hürriyet, sei die Zahl der Arbeitslosen im Land noch einmal um 311.000 gesunken. Im Augenblick liegt der Anteil der Erwerbslosen in der Türkei damit bei 2.226 Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Das gehe aus den Daten des Türkischen Statistik Instituts (TurkStat) hervor.

Im Vorjahreszeitraum lag die Arbeitslosenquote bei 9,2 Prozent. Seitdem habe sich die Zahl der Erwerbstätigen im Land von 24.901 Millionen auf 25.577 Millionen erhöht. Schon zuvor hatte die Türkei begonnen, sich von der weltweiten Finanzkrise zu erholen und erreichte allein im Jahr 2010 ein Wirtschaftswachstum von 8.9 Prozent. 2011 legte das Land noch einmal mit 8.5 Prozent nach.

Fachleute zweifeln an Repräsentativität der Zahlen

Dennoch stellt das Thema Arbeitslosigkeit die türkische Regierung nach wie vor vor große Herausforderungen. Jedes Jahr strömen Unmengen junger Leute auf den Arbeitsmarkt der 73-Millionen-Nation (vor allem junge Männer kommen schwer unter – mehr hier). Zudem bleibt fraglich, ob die genannten Zahlen tatsächlich der türkischen Realität entsprechen. Denn erhoben werden diese Werte nur durch Stichproben. Diesmal unter 95.699 Türkinnen und Türken. Diese werden dann genutzt, um einen landesweiten Dreimonats-Trend auszumachen. Fachleute, so schreibt das Blatt weiter, würden jedenfalls bezweifeln, dass die genannten Zahlen das tatsächliche Bild der Türkei widerspiegeln würden. Als Gründe nannten sie hierfür die weit verbreitete Schwarzarbeit, versteckte Arbeitslosigkeit sowie die Beschäftigung von gut ausgebildeten Menschen in niederen Arbeiten.

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen bleibt ein massives Problem jedoch weiter bestehen: Die Qualifikation der türkischen Arbeitskräfte. Denn nach wie vor ist die Anzahl der ungelernten Kräfte extrem hoch. Dabei wäre es mit entsprechender Ausbildung gar nicht so schwer, einen guten Job zu bekommen. Insgesamt 100.000 Stellen, so verkündete Arbeitsminister Faruk Çelik erst vor wenigen Tagen, seien derzeit unbesetzt (Das Arbeitsamt (İŞKUR) verstärkte nun seine Bemühungen, Weiterbildungsmöglichkeiten zu verbessern und anzubieten – mehr hier). Und auch ein zweiter Aspekt darf in Anbetracht der gerade zu Ende gehenden Sommersaison nicht außer Acht gelassen werden: Zeitarbeiter. Temporäre Arbeitskräfte, die ihren Job nach einer bestimmten Zeit wieder verlieren, stellten im Jahr 2011 immerhin ganze 29.9 Prozent der gesamten Arbeitslosen in der Türkei.

Bis zu 60.000 neue Jobs in Konya und Zonguldak

Einen ordentlichen Schub bezüglich einer weiteren Absenkung der Arbeitslosenzahlen könnten unterdessen die zwei neu ausgelobten Industrieregionen der Türkei sein. Wie der türkische Industrieminister Nihat Ergün bereits Anfang Juli verkündete wolle die türkische Regierung zwei große Industrieregionen in den Provinzen Konya und Zonguldak etablieren. Die Gesamtkosten für das ambitionierte Vorhaben belaufen sich auf 31 Milliarden US-Dollar. Dabei sollen Arbeitsplätze für 55.000 bis 60.000 Menschen entstehen (möglich wird diese Entwicklung auf Grund der neuen Anreiz-Pakete der Regierung – mehr hier).

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