Zentralrat der Muslime: „Die Unschuld der Muslime“ muss verboten werden

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, fordert ein Verbot des US-amerikanischen Schmäh-Films „Die Unschuld der Muslime“. Damit befindet er sich auf einer Linie mit Innenminister Hans-Peter Friedrich. Doch längst nicht alle sehen in einer solchen Maßnahme die Lösung des Problems.

Seit vergangenen Dienstag bestimmt das gut 14 Minuten dauernde Anti-Islam-Video „Die Unschuld der Muslime“ die Schlagzeilen. Mit dem Angriff auf die Botschaft in Benghasi und dem Tod von US-Botschafter Christopher Stevens und drei seiner Mitarbeiter haben sich die Unruhen schnell über die gesamte Region, und sogar bis nach Australien, ausgebreitet (auch in der Türkei kam es zu Protesten – mehr hier). Bereits jetzt gibt es weltweit mindestens 30 Tote zu vermelden. In Deutschland, so das Ansinnen einiger Politiker und Verbände, solle es gar nicht soweit kommen.

Aiman Mazyek will „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“

Nach Innenminister Hans-Peter Friedrich, der damit auf die Ankündigung von „Pro Deutschland“ reagierte, das Video in der Bundesrepublik zeigen zu wollen, (er kündigte an, das „mit allen rechtlich zulässigen Mitteln“ verhindern zu wollen – mehr hier) hat sich nun auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, öffentlich für ein Verbot des Amateurfilms stark gemacht. Auch Mazyek glaube, so berichtet aktuell „Zeit Online“, dass man in diesem Fall „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“ müsse. Gegenüber den Tagesthemen der ARD bescheinigte er dem Machwerk von Nakoula Basseley Nakoula, das seiner Ansicht nach wenig mit Meinungsfreiheit zu tun habe, nur eine einzige Intention, nämlich „Zwietracht und Hass zu säen“ und „die Würde der Religionsanhänger zu verletzen“. Wird der Film gezeigt, so befürchtet der Vorsitzende des Zentralrats eine empfindliche Störung des öffentlichen Friedens hierzulande. Er mahnt die Muslime in Deutschland zur Besonnenheit, „damit Rechtsextreme das ‚Hassvideo‘ nicht instrumentalisieren könnten“.

Lamya Kaddor: Debatten schüren Islamfeindlichkeit erst recht

Die Haltung des Zentralrats der Muslime in Deutschland, die auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger konform geht, wird auch vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland geteilt. Anders liegt die Sache jedoch für den Liberal-Islamischen Bund. Für deren Vorsitzende, Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor, ist ein Verbot nicht der Weisheit letzter Schluss. Im Gespräch mit der „taz“ warnt sie eindringlich: „Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an.“ Sie hält die Forderungen der Verbände nach einem Vorführverbot für „überzogen“. Ganz im Gegenteil würden solche Debatten „die bestehende Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren“. In ihren Augen betreibt gerade Innenminister Friedrich, der am Wochenende zudem ein Einreiseverbot für den US-Hassprediger Terry Jones verhängt hatte, Populismus und Panikmache. Der Ansicht von Kaddor schließt sich auch der Islamexperte Rauf Ceylan an. Ihm gehen Forderungen nach einem Verbot ebenfalls zu weit. „Damit würde man den Film wichtiger machen, als er ist“, zitiert ihn „Zeit Online“.

Unterdessen hat der türkische Premier Premier Recep Tayyip Erdoğan eine wesentlich weitreichendere Initiative angekündigt. Vor der UN-Vollversammlung am 25. September in New York will sich der AKP-Politiker für eine weltweite Ächtung der Islamfeindlichkeit stark machen. Gegenüber Journalisten in Sarajewo stellte er heraus, dass die Türkei Antisemitismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit brandmarke, aber im Gegenzug nicht ein einziger westlicher Staat umgekehrt Islamfeindlichkeit als solches anerkennen würde (daneben kündigte er weitere Reformen in der Türkei an – mehr hier).

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