Verkleidet bei Fenerbahçe Spiel? Türkin zieht vor Europäischen Gerichtshof

Eine türkische Frau hat den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angerufen, weil die Medien sie als einen Mann, der sich als Frau verkleidet hat, dargestellt haben. Hintergrund war ein von der Türkischen Fußball Föderation (TFF) ausgesprochenes Männerverbot in türkischen Fußballstadien im Spätsommer 2011, das Ausschreitungen in der gerade gestarteten Süper Lig-Saison effektiv begegnen sollte.

Sema Bekçi wohnte 2011 einem Spiel zwischen Fenerbahçe und Manisaspor bei. Das Match, so schreiben die türkischen Medien, sei damals ausschließlich für Frauen und Kinder zugänglich gewesen. Zuvor war Fenerbahçe wegen des Verhaltens seiner Fans bereits abgemahnt worden. Zwei Spiele musste der Club sogar ohne jegliche Zuschauer austragen. Später änderte der TFF seine Strafe ab und ließ nur Frauen und Kinder zu den Spielen zu (Fans hatten während eines Spiels nicht nur für Chaos gesorgt, sondern auch Journalisten attackiert – mehr hier).

Doch das nur am Rande. Bei ihrem Besuch im Stadion wurde Bekçi von Photographen ausgemacht und ohne ihr Wissen Aufnahmen angefertigt. Soziale Medien sowie diverse Blätter kamen schnell zu dem Schluss, dass es dich bei Bekçi eigentlich um einen Mann handelte, der sich ein Kopftuch übergezogen hatte, um trotz des Verbots ins Fußballstadion zu gelangen.

Sema Bekçi traute sich nicht mehr aus dem Haus

„Am nächsten Tag wurde ich durch das Kreischen meiner Tochter geweckt“, erzählt Bekçi  gegenüber der Zeitung Habertürk. „Alle reden über dich, Mama. Sie sagen, du bist ein Mann“, sei die Kleine völlig entsetzt gewesen. Sie selbst habe sich auf dem Bild noch nicht einmal wiedererkennen können. Sie habe sich geschämt. Sie sehe, so betont sie vehement, überhaupt nicht aus wie ein Mann, als der sie auf diesem Bild dargestellt werde.

Doch die folgenden Tage sollten für die Frau noch schlimmer werden. Wie Bekçi weiter erzählt, habe sie infolgedessen für eine ganze Weile das Haus nicht mehr verlassen können. Um Zeitungen oder den Fernseher habe die Familie zudem einen großen Bogen gemacht. Dann sei sie in einer TV-Show aufgetreten und hätte klargestellt, dass sie tatsächlich eine Frau sei. Eine echte Erleichterung.

Fenerbahçe sichert ihr Unterstützung zu

Mittlerweile habe sich auch Fenerbahçe bei ihr gemeldet und ihr Unterstützung zugesagt. Später, so fährt Bekçi fort, seien die Berichte über sie dann auch von den Webseiten verschwunden. Doch gleichzeitig schlugen ihre Versuche rechtliche Entschädigung für das ihr zugefügte Leid zu erhalten fehl. Das Gericht ließ keine Klage ihrerseits zu. Von neuem sei sie am Boden zerstört gewesen. Die Justiz habe nicht nachvollziehen können, dass sie durch das Foto beleidigt worden wäre. Zudem, so sei ihr erklärt worden, hätte der Fotograf noch nicht einmal ihre Zustimmung benötigt.

Das will die Frau nun allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Es tue ihr zwar leid, dass sie sich nun gegen ihr Land stellen müsse, aber auf der anderen Seite sehe sie ihre Würde als Frau so sehr verletzt, dass sie nun auch auf ihre Rechte bestehen müsse. Jetzt läge die Entscheidung jedenfalls beim EGMR, ob er die Klage akzeptiere oder nicht.

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