Koordinationsrat der Muslime: Wir brauchen eine Kultur des Respektes

Während Deutschland kontrovers über ein Aufführungsverbot für den US-amerikanischen Schmäh-Film „Die Unschuld der Muslime“ diskutiert, macht Ali Kizilkaya, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, auf den eigentlich entscheidenden Punkt der Debatte aufmerksam: Er fühle sich, wie fast alle Muslime verletzt. Verbote könnten dieses Problem nicht lösen. In der Gesellschaft müsse sich vielmehr grundsätzlich etwas ändern. Doch kaum ausgesprochen, droht auch schon neues Unheil aus Frankreich.

„Es ist unbestreitbar, dass es um Provokation und Beleidigung geht. Das hat nicht nur mich, sondern fast alle Muslime verletzt. Der Prophet ist etwas Heiliges für uns“, fasst Ali Kizilkaya im Gespräch mit „Phoenix“ die Befindlichkeiten von Millionen Menschen zusammen. Mit Kritik oder Meinungsäußerung habe das nach Ansicht des Politikwissenschaftlers jedenfalls wenig zu tun.

Ali Kizilkaya: Es gibt Grenzen der Liberalität

Ein Aufführungsverbot des 14-minütigen Schmäh-Films, davon zeigt sich Kizilkaya überzeugt, werde das Problem nicht grundsätzlich lösen. Im Internetzeitalter, so seine Argumentation, habe schließlich jeder Zugang zu diesem Video. Das Hauptaugenmerk muss seiner Meinung nach auf einem anderen Aspekt liegen: „Die Frage ist, wie gehen wir als Gesellschaft mit solchen Sachen und miteinander um? Was wir als Gesellschaft hieraus lernen müssen ist, dass wir eine Kultur des Respektes und der gegenseitigen Achtung brauchen. Wir müssen uns fragen, ob eine liberale Gesellschaft auch heißt, dass man jeden willkürlich in seinem Heiligsten beleidigen darf. Ich glaube, da gibt es Grenzen.“ (auch in der Türkei kam es zu Protesten – mehr hier).

Ob „Die Unschuld der Muslime“ tatsächlich eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit in der Bundesrepublik darstellen könnte, wie etwa der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, befürchtet, darüber ist sich Kizilkaya nicht sicher. Schließlich habe man bei der Karikaturendiskussion gesehen, dass Muslime in Deutschland sehr besonnen reagierten. Sie hätten demokratisch-rechtsstaatlich ihre Missbilligung zum Ausdruck gebracht. Stattdessen müsse man sich mit Blick auf die gewalttätigen Protesten in der arabischen Welt fragen, ob das Video tatsächlich die Ursache gewesen sei.

Google bleibt hart: Film wird nicht generell gesperrt

Unterdessen haben andere Staaten schon Nägel mit Köpfen gemacht und das von Kazilkaya als „tiefgreifende Beleidigung“ bezeichnete Video zensiert. Wie der „Tagesspiegel“ derzeit berichtet, hätten die Regierungen von Pakistan und Bangladesch bereits den Zugang zur Videoplattform YouTube blockieren lassen. In Afghanistan herrsche eine teilweise Blockade, in Saudi-Arabien sei die Seite seit vergangenen Dienstagabend nicht mehr erreichbar und auch in Russland gebe es Bestrebungen von Seiten der Generalstaatsanwaltschaft mit Hilfe des neuen Mediengesetzes in letzter Konsequenz ganz YouTube sperren zu lassen. Nach wie vor vertrete der Internetkonzern Google die Haltung, den Film nicht generell zu sperren, da er mit den Regeln von YouTube konform gehe. Ausnahmen habe es nur in Indien, Indonesien, Ägypten, Libyen und Malaysia gegeben (Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor fürchtet, dass ein Verbot mehr schaden als nutzen könnte – mehr hier).

Neues Unheil droht derweil aus Frankreich. Dort droht das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ für diesen Mittwoch den Abruck neuer Mohammed-Karikaturen an. Wie „Zeit Online“ berichtet, habe die Regierung nervös reagiert. Premierminister Jean-Marc Ayrault habe an ein verantwortungsbewusstes Verhalten aller appelliert. Chefredakteur Stephane Charbonnier rechtfertigte den Schritt: „Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt.“ Derzeit ist die Internetseite des Magazins nicht zu erreichen.

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