Neue Beweise: War Jesus doch verheiratet?

Verheiratet oder nicht? Seit jeher beschäftigt Forscher und Gläubige die Frage nach dem Familienstand Jesus'. Nun erhält die These von einer vermeintlichen Ehefrau an seiner Seite neuen Auftrieb. Auf einem bisher unbekannten Papyrusstück aus dem vierten Jahrhundert ist der Satz: „Jesus sagte zu ihnen, 'meine Frau'...“ zu lesen.

Das gerade einmal 3,8 x 7,6 Zentimeter große Papyrusfragment wurde am vergangenen Dienstag von der Historikerin Karen King während eines Kongresses in Rom vorgestellt. Die Wissenschaftlerin von der Harvard Universität, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, wertete das Fundstück aus einer privaten Sammlung, über dessen Herkunft sie allerdings keine weiteren Angaben macht, als durchaus bedeutend: „Die christliche Tradition ging lange davon aus, dass Jesus nicht verheiratet war, obwohl es keine verlässlichen historischen Beweise für diese Behauptung gibt.“ Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Das neue Dokument, bei dem es sich vermutlich um ein Evangelium handelt, liefere, so King, zwar keine Belege, dass Jesus tatsächlich verheiratet gewesen wäre. Allerdings gebe es durchaus Hinweise auf das Verhältnis der frühen Christen zu Familie, Sexualität und Ehe.

Frühe Christen glaubten, dass Jesus verheiratet war

Obschon vor allem die Katholische Kirche vehement darauf beharrt, dass Jesus nicht verheiratet gewesen sei, taucht diese Idee in geradezu regelmäßigen Abständen immer wieder auf. Nur allzu gut erinnert sich die Öffentlichkeit beispielsweise an die Debatte aus dem Jahr 2003. Damals erschien Dan Browns später verfilmter Bestseller „Der Da Vinci Code“. Für Verärgerung sorgte seinerzeit die Idee des Autors, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe mit ihr sogar ein gemeinsames Kind gehabt. Und auch für die US-amerikanische Wissenschaftlerin King steht fest, dieses Papyrusstück liefert die ersten Anzeichen dafür, dass einige frühe Christen glaubten, dass Jesus verheiratet gewesen war.

Doch ist der vermeintliche Sensationsfund, der vermutlich in Ägypten oder Syrien entdeckt wurde, tatsächlich echt? Nicht nur für King, auch für Professor Dr. Roger Bagnall, Direktor des Institute for the Study of the Ancient World in New York, steht fest, dass das Fragment, das laut King vermutlich aus dem vor kurzem entdeckten Evangelium über die Frau Jesu stamme, authentisch ist. Genaue Untersuchungen durch Fachleute stehen bisher allerdings ebenso aus wie eine chemische Analyse des historischen Papyrusdokuments, bei der vor allem die Zusammensetzung der Tinte von entscheidender Bedeutun sein wird.

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