Serviceorientiert: Türkisches Hotelpersonal soll jetzt Gebärdensprache lernen

Die türkischen Hotel- und Investorenvereinigung (TUROB) will Hotelangestellte künftig auch in Gebärdensprache unterweisen. Das Ziel der Bemühungen: Bessere Dienstleistungen für hörgeschädigte Touristen.

Nach Ansicht von TUROB-Präsident Timur Bayındır sei das Anbieten einer klaren und effektiven Kommunikation einer der entscheidendsten Faktoren sowohl für die Infrastruktur als auch die Dynamik innerhalb des Tourismussektors. „Das primäre Ziel ist es, unsere Kunden zufrieden zu stellen und einen qualitativ hochwertigen Service anzubieten, indem wir in unseren Hotels eine direkte Kommunikation gewährleisten“, so der Branchenfachmann. Dank der aktuellen technischen Entwicklungen sei das Reisen für Menschen mit Handicap heute überhaupt kein Problem mehr. Und auf diese Entwicklung, mahnt Bayındır, müssten die Häuser nun reagieren (insgesamt muss sich die Wahrnehmung Behinderter Menschen in der Türkei ändern – mehr hier).

Wie die türkische Tageszeitung Hürriyet berichtet, soll das entsprechende Trainingsprogramm für Gebärdensprache im Hotelsektor in Zusammenarbeit mit der Vereinigung für Hörgeschädigte noch in diesem Monat starten. Zunächst sollen sich die Unterrichtseinheiten auf Situationen am Empfang und im Service konzentrieren, also dort, wo die meiste Kommunikation mit dem Gast stattfinde.

Nicht zu hören kann für Reisende richtig gefährlich werden

Wie einschneidend die Probleme für Menschen mit einer Hörbehinderung sein können, das beschreibt etwa der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V.: „Auf den ersten Blick erscheinen die Probleme hörgeschädigter Reisender vielleicht gering. Viele Hörbehinderte haben es aber schon erlebt, dass sie in einem Hotel Besucher oder den Zimmerservice verpasst haben, weil sie das Türklopfen nicht hören konnten. Oder dass sie kein Telefaxgerät, keinen Fernseher mit Videotext und keine Steckdose für den mitgebrachten Lichtwecker vorfanden. Richtig gefährlich kann es werden, wenn ein akustischer Feueralarm nicht wahrgenommen wird.“

In Deutschland existiert bereits seit dem 12.03.2005 eine Zielvereinbarung nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) und dem Hotelverband Deutschland (IHA). Darin beschrieben sind bestimmte Mindeststandards für Gäste mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Mithilfe einer Checkliste, so informiert der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. weiter, könnten Hoteliers und Gastronomen selbst überprüfen, ob sie die entsprechenden Standards in einer, mehreren oder sogar allen Kategorien erfüllen. In diesem Fall seien sie berechtigt, ihr Angebot mit entsprechenden Piktogrammen zu bewerben. Entsprechende Hinweise würden dann auch im Deutschen Hotelführer und im IHA-Hotelführer Hotels Deutschland veröffentlicht werden.

Im Fall von Gehörlosen und Schwerhörigen sollten deutsche Hoteliers unter anderem auf Folgendes achten:

– Ausstattung der Rezeption mit einer indukTiven Höranlage für schwerhörige Menschen
– Optische Wahrnehmbarkeit wesentlicher Informationen
– Deutliche und eindeutige Wahrnehmbarkeit des Telefonklingelns durch Blinksignal im Zimmer
– Deutliche und eindeutige Wahrnehmbarkeit des (akustischen) Alarms durch Blinksignal im Zimmer

Die türkische Tourismusbranche ist mit ihren jüngsten Bemühungen um Hörgeschädigte übrigens nicht allein. Bereits Mitte Juli dieses Jahres kündigte das türkische Bildungsministerium an, ein eigenes Wörterbuch für türkische Gebärdensprache herauszubringen. Darin enthalten sein sollen 1,986 Wörter und besondere türkische Redewendungen (bisher gab es für Gebärdensprache in der Türkei keine einheitlichen Standards – mehr hier).

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