„Die Unschuld der Muslime“: Türkische Anwälte reichen Beschwerde ein

Zwei türkische Juristen haben am vergangenen Montag, den 17. September, eine offizielle Beschwerde gegen den Produzent und Regisseur des Films „Die Unschuld der Muslime“ eingereicht. Bei einer Einreise in die Türkei könnte, so kündigen sie an, den Verantwortlichen bis zu drei Jahren Haft drohen.

Die beiden bei der Anwaltskammer von Ankara registrierten Anwälte Özlem Gezeker und Özgür Meriç Turan reichten, so berichtet derzeit die Nachrichtenagentur Anatolia, ihre formale Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft in Ankara ein. Darin argumentieren die Juristen: „Die Person oder die Personen, die der Produzent und Regisseur des Films sind, der derzeit offen im Internet kursiert und desse Genre nichts mit Kunst oder Künstlertum zu tut hat (…), spielen mit unseren moralischen Werten, die uns vor den Augen der gesamten Welt am heiligsten sind.“ (Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor fürchtet, dass ein Verbot mehr schaden als nutzen könnte – mehr hier).

Türkisches Strafgesetzbuch sieht bis zu drei Jahre Haft vor

Gezeker und Turan sind überzeugt, dass die „Verdächtigen den Seelenfrieden der türkischen Bevölkerung gestört und offen Hass und Feindschaft provoziert haben“. In ihrem Gesuch stellen sie heraus, dass es keine rechtlichen Hindernisse gebe, auch Ausländer nach dem türkischen Strafgesetzbuch (TCK) zu belangen. Ihrer Ansicht nach sei hier ein Verbrechen nach Artikel 216 des türkischen Strafgesetzbuches begangen worden, das für die Anstiftung zu Hass, Feindschaft oder Demütigung Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vorsieht. Im Falle ihrer Einreise in die Türkei, so heißt es weiter, sollten die Beschuldigten in vollem Umfang des Gesetzes bestraft werden (in Deutschland fordert derweil der Koordinationsrat der Muslime eine Kultur des Respekts – mehr hier).

Ähnliche Bestrebungen gibt es derzeit übrigens auch in Ägypten. Dort wurden gerade die Ermittlungen gegen sieben in den USA lebende koptische Christen eingeleitet, denen „Beleidigung der islamischen Religion, Beleidigung des Propheten und Anstachelung zum religiösen Hass“ vorgeworfen wird. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Kairo mitteilte, sollen die Verdächtigen entweder für die Produktion bzw. die Verbreitung des Schmäh-Films verantwortlich sein.

Mehr zum Thema:

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