Mikrozensus 2011: Statistisches Bundesamt bestätigt 3 Millionen türkischstämmige Migranten in Deutschland

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lebten im Jahr 2011 rund 216.000 mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland als im Vorjahr. Wie der Mikrozensus 2011 ergab, hatten insgesamt knapp 16 Millionen Personen einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe stammt mit drei Millionen aus der Türkei.

Wie es in einer entsprechenden Destatis-Meldung heißt, lebten 2011 insgesamt 1,4 Prozent mehr Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik als noch im Jahr 2010. Mittlerweile würden diese 19,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung Deutschlands ausmachen (2010 hatten mehr Türken Deutschland verlassen, als zugezogen sind – mehr hier).

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden vom Statistischen Bundesamt die seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen betrachtet. „Die Mehrheit von ihnen, nämlich 8,8 Millionen Menschen, hatte 2011 einen deutschen Pass; 7,2 Millionen waren Ausländerinnen und Ausländer“, informiert die Behörde weiter. Gestiegen sei im vergangenen Jahr vor allem die Zahl der hier geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund. Hier gab es ein Plus von 4,8 Prozent zu verzeichnen. Auch die Zahl der ausländischen Zuwanderer habe 2011 mit 1,7 Prozent leicht zugenommen. Die Zahl der hier geborenen Ausländerinnen und Ausländer sei wiederum wie schon in den Vorjahren auch diesmal um 3,4 Prozent zurückgegangen.

Türken sind die größte Gruppe mit Migrationshintergrund

Als größte Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund wurden im vergangenen Jahr die Menschen aus der Türkei ausgemacht. Sie wird nun mit rund 3,0 Millionen angegeben. Ihnen nach folgen die Polen mit 1,5 Millionen und Menschen aus der Russischen Föderation mit 1,2 Millionen. Danach kommt Kasachstan mit 0,9 Millionen und Italien mit 0,8 Millionen.

Joachim Schulte vom Institut für Markt- und Meinungsforschung Data 4U begrüßt in diesem Zusammenhang vor allem die Herausstellung der drei Millionen hier lebenden Türken. Die Gesellschaft für Kommunikationsforschung mbH habe bereits seit mehreren Jahren in ihren Studien und Veröffentlichungen die Anzahl der Mitbürger mit türkischem Migrationshintergrund mit 2,9 bis 3,0 Millionen angegeben, so Schulte in einer Email. Nun bestätige das Statistische Bundesamt erstmals offiziell die Zahl von rund drei Millionen türkischstämmigen Migranten in Deutschland.

Ius-Soli-Kinder zählen zu Mitbürgern mit Migrationshintergrund

Im Mikrozensus 2009 habe Destatis zuletzt nur noch 2,5 Millionen türkischstämmige Migranten ausgewiesen. Der Unterschied in den Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Data 4U beruhte, so Schulz weiter, im Wesentlichen auf einer unterschiedlichen Zählweise von Kindern und Jugendlichen: „In den jüngeren Jahrgängen gibt es sehr viele so genannte Ius-Soli-Kinder (ab 1.1.2000 in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern erhalten bei Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit). Diese wurden vom Statistischen Amt (trotz türkischer Eltern) vor 2011 nicht mehr unter ‚Türkei‘ gezählt“, erklärt der Fachmann. Nun freue man sich, dass Destatis auch die Kinder und Jugendlichen aus türkischen Familien zu den Mitbürgern mit türkischem Migrationshintergrund zähle.

Auf diese haben derzeit auch Politik und Wirtschaft ein besonderes Augenmerk. Wie das Hamburger Abendblatt an diesem Mittwoch meldet, wolle man sich angesichts des wachsenden Fachkräftemangels verstärkt um die berufliche Eingliederung junger Migranten bemühen, die in den vergangenen Jahren in Sachen Schul- und Berufsausbildung massiv aufgeholt hätten. Wie Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in Hannover ankündigte, strebe man nicht nur eine bessere Berufsorientierung an, sondern wolle künftig auch gezielt auf die Eltern zugehen. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller, stellte in diesem Zusammenhang heraus: „Die Wirtschaft hat ein großes Eigeninteresse, das Potenzial der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu nutzen.“ Schon jetzt suchten die Betriebe daher verstärkt den Kontakt zu Schulen und Eltern von jungen Migranten (die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor stellte im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten bereits vor einiger Zeit heraus, dass Deutschland nicht auf muslimische Fachkräfte verzichten könnte – mehr hier).

Hier geht es zum Mikrozensus 2011.

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