Visafreiheit in der EU: Griechen wollen türkisches Anliegen unterstützen

Griechenland will die Türkei in ihrem Bestreben um Visafreiheit innerhalb der Europäischen Union unterstützen. Der Grund: Touristen aus dem Nachbarland würden am Ende auch der griechischen Wirtschaft zugutekommen. Das gab nun die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni bekannt.

Während eines kürzlichen Zusammentreffens mit einer türkischen Delegation in Athen sicherte Ministerin Kefalogianni dem Präsidenten des türkischen Dachverbands der Handelskammern (TOBB), Rifat Hisarcıklıoğlu, zu: „Wir werden das Recht der Türkei auf Reisefreiheit innerhalb der Europäischen Union unterstützen.“

Türkische Touristen beleben die griechische Wirtschaft

Schon jetzt gelten gelockerte Reisemodalitäten, wenn türkische Touristen zu vier griechischen Inseln gelangen wollen, berichtet der türkische Journalist Sadi Özdemir. Von Türken, die einen grünen Pass besäßen, werde, so fährt Kefalogianni fort, kein Visum mehr verlangt. Ein weiterer wichtiger Punkt von griechischer Seite hier aktiv zu werden: Binnen kurzer Zeit habe sich die Anzahl türkischer Touristen im Land um ganze 180 Prozent erhöht. „Das“, da ist sich Kefalogianni sicher, „hat zu einer Wiederbelebung unserer Wirtschaft geführt. Derzeit arbeiten wir an einem Bericht zu diesem Thema und werden diesen im kommenden Oktober in Brüssel vorstellen.“ (auch türkische Investoren haben Griechenland für sich entdeckt – mehr hier)

Während seiner Visite in Athen, die auf Einladung von Constantine Michalos, Präsident der Handelskammer Athens, erfolgte, gab Hisarcıklıoğlu auch türkische Erfahrungen weiter, die das Land während der Finanzkrise 2001 gesammelt hatte. Unter anderem riet er den griechischen Kollegen keine staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft vorzunehmen, zu weniger Bürokratie und zur Einführung eines neuen und einfacheres System, das den Wettbewerb unterstützte. Begleitet wurde Hisarcıklıoğlu von Murat Yalçıntaş, Präsident der Handelskammer Istanbul (İTO) und dem einstigen Leiter der türkischen Zentralbank  Süreyya Serdengeçti.

Griechenland plant „Sonderindustriezone“ nahe der Türkei

Begrüßt wurde auch ein Vorschlag Hisarcıklıoğlus gemeinsame Ziele zu vereinbaren. Kefalogianni signalisierte, sich zügig mit dem türkischen Tourismusminister treffen zu wollen. Zudem machte sie deutlich: „Wir wollen nicht, dass politische Probleme den EU-Beitritts-Prozess der Türkei beeinträchtigen.“ (schon im Mai forderte Rena Dourou, Europaverantwortliche der Linkspartei Synaspismos, dass Griechen und Türken sich die Hände reichen sollten – mehr hier).

Nach Ansicht von Kostis Hatzidakis, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, sei es für ein Überwinden der derzeitigen Krise enorm wichtig, eine gewisse Zielstrebigkeit an den Tag zu legen. Er mahnt: „Wir sollten offen sein für Reformen und die Regierung sollte gemeinsam mit der Geschäftswelt agieren.“ Die nächsten griechisch-türkischen Schritte zeichnen sich derweil schon ab. Wie Hatzidakis weiter bekannt gibt, habe Hisarcıklıoğlu sie bereits zu einem regionalen Treffen im Marmara Bezirk Çanakkale eingeladen. Darüber hinaus kündigte der Minister an, dass Griechenland plane, nahe der Türkei mit Hilfe der EU eine „Sonderindustriezone“ einzurichten. „Ein solches Projekt könnte ein Zentrum für gemeinsame Investments werden.“

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