Gebärmuttertransplantation: Schwedische Ärzte knüpfen an türkischen Erfolg an

In Skandinavien gelang es Ärzten jetzt an eine türkische Pionierleistung anzuknüpfen. Am vergangenen Wochenende haben gleich zwei schwedische Frauen in den weltweit ersten Mutter-Tochter-Transplantationen eine neue Gebärmutter eingesetzt bekommen. Das teilte die Universität Göteborg in dieser Woche mit. Die erste Gebärmutter-Transplantation der Welt gelang im August 2011 im Universitäts-Krankenhaus Akdeniz.

Als die Türkin Derya Sert im Sommer vergangenen Jahres unter der Leitung von Professor Dr. Ömer Özkan erstmals erfolgreich eine Gebärmutter transplantiert bekam, war das Aufsehen groß (auch Wochen später sah alles gut aus – mehr hier). Befürchtungen, dass sie das Organ abstoßen könnte, haben sich seither nicht bestätigt. Die junge Frau bekommt seither ihre Menstruation und bastelt derzeit mit den Ärzten an ihrem nächsten großen Traum: Ein Baby.

Organspenderinnen und Empfängerinnen geht es gut

In Schweden hofft man nun auf einen ähnlich guten Verlauf. „Eine der Frauen hatte Gebärmutterhalskrebs und musste sich den Uterus im Laufe der Behandlung entfernen lassen. Die andere Patientin wurde ohne Gebärmutter geboren. Beide Frauen sind in den 30ern“, heißt es in einer Erklärung der Universität Göteborg. An den Eingriffen seien mehr als zehn Chirurgen beteiligt gewesen. Alles sei ohne Komplikationen abgelaufen. Die beiden Frauen, die eine Gebärmutter erhalten hätten, seien wohlauf, derzeit aber auf Grund des anstrengenden Prozederes noch etwas müde, so Mats Braennstroem, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität und Leiter des Forschungsteams. Die beiden Mütter, die jeweils ihren Uterus gespendet haben, seien bereits wieder auf den Beinen. Bereits in ein paar Tagen, so der Mediziner im Rahmen einer Pressekonferenz, können sie nach Hause.

Wie auch Derya Sert aus der Türkei müssten nun auch die beiden schwedischen Frauen gut ein Jahr Geduld haben, bis man mit den Versuchen schwanger zu werden, starten könnte. Geplant seien In-Vitro-Fertilisationen (IVF) mit eingefrorenen Embryonen, die im Vorfeld aus eigenen Eiern und mit dem Samen der Ehemänner gezeugt wurden. Spätestens 2014, so Braennstroem, würde man also wissen, ob die Transplantationen tatsächlich erfolgreich verlaufen wären. Derzeit über die Chancen der Frauen auf ein Kind zu spekulieren, hält der Mediziner hingegen nicht für angebracht. Er weist lediglich darauf hin, dass die Chancen einer Schwangerschaft bei einer herkömmlichen IVF bei etwa 25 bis 30 Prozent lägen.

Türkei: Start des Embryonentransfers für diesen Monat geplant

Anders als in der Türkei, wo man den Uterus bereits nach der ersten erfolgreichen Schwangerschaft wieder entfernen möchte, sollen die schwedischen Empfängerinnen im Idealfall zwei Kinder bekommen können. Danach sollen sie aber von den immunsuppressiven Medikamenten befreit werden (die Einnahme ist mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden – mehr hier).

Schon in diesem Monat soll es in Akdeniz ernst werden und der erste Embryonen-Transfer stattfinden. Heikel ist das Anliegen jedoch allemal: „Falls der erste Versuch scheitert, wird das Team alle zwei Monate einen weiteren Embryo einpflanzen“, klärt Dr. Münire Erman Akar, Leiter der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Klinikum in Akdeniz auf. Gleichzeitig weist der Mediziner jedoch darauf hin, dass Patientinnen wie Derya höheren Gefahren von Bluthochdruck, Frühgeburten oder intrauteriner Wachstumsretardierung ausgesetzt seien. Falls es zu einer Schwangerschaft kommt, werde das Baby deshalb schon in der 33. oder 34. Woche per Kaiserschnitt geholt.

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