Wechseljahres-Beschwerden: Türkische Migrantinnen leiden stärker als deutsche Frauen

Unter Frauen unterschiedlicher ethnischer Herkunft geben türkische Damen in Deutschland die weitaus höchste Rate an Wechseljahres-Beschwerden an. Das ergab eine quantitave und qualitative Studie von Professorin Theda Borde und Professor Matthias David (Berlin). Zwar würden die Frauen ihre Wechseljahrs-Beschwerden allesamt ähnlich erleiden. In der Gewichtung ergaben sich jedoch deutliche Unterschiede.

In ihrer Studie „Symptome der Wechseljahre bei Frauen unterschiedlicher Ethnizität“, die in der akutellen interdisziplinären Aufsatzsammlung „Qualitative Forschungsansätze und Ergebnisse in der psychosomatischen Frauenheilkunde“ erschienen ist, machen die beiden Forscher deutlich: „Häufigste Symptome der Wechseljahre waren bei allen befragten Frauen unabhängig von ihrer Ethnizität und soziodemographischen Faktoren: Reizbarkeit, Gelenk-/ Muskelbeschwerden, Hitzewallungen, Schlafstörungen und Erschöpfung.“

Mehr als 40 Prozent der türkischen Migrantinnen berichteten gegenüber Borde und David über Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Erschöpfung, Gelenk- und Muskelbeschwerden. Anders die Werte bei deutschen Frauen und bei Migrantinnen aus Korea, Japan sowie China: Sie lagen um 20 Prozent oder noch weiter darunter.

Frauen greifen auf kulturgebundene Umschreibungen zurück

„Relativ einheitlich“, so stellen die Wissenschaftler heraus, „werden von deutschen, asiatischen und türkeistämmigen Frauen vasomotorische Beschwerden beschrieben.“ Der Volksmund kennt diese etwa unter Begriffen bzw. Phänomenen wie „Hitzewallungen“, „aufsteigende Hitze“, „Schweißausbrüche“ oder „nachts schweißgebadet aufstehen“.  Gerade Migrantinnen aus der Türkei hätten ihre Erfahrungen diesbezüglich zum Teil sehr anschaulichen beschrieben und auf Vergleiche wie „es kam Feuer über mich“ oder „ich brannte“ zurückgegriffen (auch Meryam Schouler-Ocak, Leitende Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité im St. Hedwig-Krankenhaus weist im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten auf kulturgebundene Umschreibungen der Patienten hin – mehr hier).

Warum gerade Türkinnen hierzulande mehr leiden als andere Frauen, darüber können die Wissenschaftler letzten Endes aber nur spekulieren. „Türkinnen in der Türkei genießen mit zunehmendem Alter mehr und mehr Respekt und fühlen sich daher relativ wohl“, heißt es in einer entsprechenden Erklärung zu ihren Erkenntnissen. „Für türkische Migrantinnen in Deutschland gilt dieses Privileg meist nicht; dies mag ihre Beschwerden zusätzlich verstärken.“ (ein Problem in der Türkei ist allerdings die geschlechtsbezogene Gewalt – mehr hier)

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