Anti-Islam-Film: Russische Muslime bewahren Ruhe

Während es in Pakistan an diesem Freitag erste Tote bei Protesten rund um das US-amerikanische Schmäh-Video "Die Unschuld der Muslime" gegeben hat, scheint die Lage in Russland derweil entspannt zu bleiben. Landesweit, so der Eindruck, sind die Gläubigen den Aufrufen der Muftis gefolgt, den Provokationen nicht nachzugeben und stattdessen den wahren Charakter des Islams zu demonstrieren.

Die 24 Millionen streng gläubigen Muslime in Russland, so berichtet derzeit “Russia & India Report”, hätten sich bisher zurückhaltend gezeigt und nicht mit Gewalt auf den seit vergangener Woche kursierenden und in vielen islamischen Ländern für schwere Ausschreitungen sorgenden Amateurstreifen reagiert. Der Rat der Mufti in Russland (RMR) hatte die russischen Muslime dazu aufgerufen, sich nicht in Wut über den Film “Die Unschuld der Muslime” zu ergießen, sondern stattdessen Moral, Standhaftigkeit und Mitgefühl zu zeigen.

Film potenzielle Gefahr für öffentliche Ruhe und Ordnung

Nicht nur in Deutschland und anderen Teilen der Welt, auch in Russland haben sich die Behörden in den vergangenen Tagen mit dem gut 14-minütigen Machwerk auseinandergesetzt. Einig, so heißt es weiter, sei man sich hier in der Einschätzung, dass der Film eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ordnung darstelle (in Omsk und Umgebung konnten die User zeitweise nicht auf den Film zugreifen – mehr hier). Derzeit gibt es auch Bestrebungen von Seiten der russischen Generalstaatsanwaltschaft den Film zu verbieten (das könnte eine Blockade der gesamten Videoplattform YouTube zur Folge haben – mehr hier).

In einem Interview mit “Der Stimme Russlands” ist der Moskauer Mufti Albir Krganov, erster Stellvertreter des Vorsitzenden der Zentralen Geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands, anders als etwa der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich, überzeugt,  dass eine Vorführung des Films in Russland keine Unruhen auslösen würde. Gleichzeitig forderte aber auch er die Muslime des Landes zur Besonnenheit auf und stattdessen mit juristischen Mitteln auf diese Provokationen zu reagieren. Die Beleidigung der religiösen Gefühle sei ein blasphemischer Akt, der nur von Menschen ohne Gewissen und Kultur durchgeführt werden könnte. “Diese Menschen sollten schwer bestraft werden, um den Frieden und Ruhe in der Gesellschaft zu erhalten.”

Provokationen keine Aufmerksamkeit schenken

Doch solche Äußerungen wecken auch Misstrauen. So ist etwa Geidar Dzhemal, Vorsitzender des Islamischen Komitees Russlands, der Ansicht, dass eine ruhige Situation in erster Linie im Interesse der russischen Regierung wäre. Er fragt sich, warum man diesen Provokationen nicht nachgeben und der eigenen Empörung keinen Ausdruck verleihen dürfte. Man müsse verstehen, so Dzhemal, dass der Rat der Mufti in Russland (RMR) schlicht der verlängerte Arm der Regierung sei – eine spezielle Einheit, der es einzig um die Interessen der Behörden nicht aber um die der Muslime gehe. “Ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen ist im Interesse der Muslime, während keine Reaktion zu zeigen im Interesse der Behörden liegt”, so Geidar Dzhemal.

Doch damit scheint Dzhemal allein zu stehen. Denn auch Damir-Khazrat Gizatullin,Vorsitzender der Geistlichen Verwaltung der Muslime im europäischen Teil Russlands, ist überzeugt, dass russische Muslime derartigen Provokationen keine Aufmerksamkeit schenken sollten. Es gelte die eigene Energie in die eigene spirituelle Entwicklung in kreative Arbeit zu lenken. „Wir sehen heute in jenen Regionen, wo die meiste Anzahl von Muslimen leben, und das sind bekanntlich 24 bis 25 Millionen Menschen, das sind das Wolga-Gebiet, Tatarstan, Baschkortostan und unser Nordkaukasus, dass die Führung der Regionen die Bewegung zum Verbot der Vorführung provokatorischer Dinge unterstützt. Wir rufen die Muslime auf, sich nicht provozieren zu lassen, sondern zu arbeiten, Familien zu gründen, unseren Staat zu schützen, eine Ausbildung zu erhalten (…).“

In seinem Blogbeitrag erinnert er die Leserinnen und Leser noch einmal daran, dass Ruhe bewahren auf keinen Fall Gleichgültigkeit oder gar einen Verzicht auf Kampf bedeute. Denn Russland, da geht er mit Krganov überein, besäße ausreichend moralische und natürlich juristische Ressourcen, um derartigen Gefahren entgegenzutreten.

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