Anti-Islam-Film: Proteste in Pakistan kosten mindestens 13 Menschen das Leben

Mit Sorge waren die Freitagsgebete an diesem Nachmittag erwartet worden. In Pakistan führten die Proteste gegen den Schmäh-Film „Die Unschuld der Muslime“ nun zu mindestens 13 Toten und nahezu 200 Verletzten. Die erste große und offiziell genehmigte Demonstration in Freiburg endete hingegen unblutig.

Bereits am Vortag brodelte die Stimmung in zahlreichen Ländern, nachdem die Wut der Muslime durch die Veröffentlichung von neuerlichen Mohammed-Kariakturen im französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ weiter angeheizt wurde (die Organisation für Islamische Zusammenarbeit forderte eindringlich ein Ende der Hasspredigen – mehr hier). Dann am Vormittag die ersten Meldungen: In Pakistan sei es erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Schnell wurden erste Tote gemeldet. Die Appelle der Regierung, die Demonstrationen friedlich zu begehen, fruchteten nicht.

Allein neun Menschen, so meldet die türkische Zeitung Hürriyet, seien in der größten Stadt des Landes, in Karachi, gestorben. Vier weitere hätten ihr Leben bei Protesten in Peshawar verloren. Andere Medien sprechen derzeit gar von 19 Toten. Insgesamt soll die Anzahl der Verwundeten in Karachi, Peshawar und in der Hauptstadt Islamabad ganze 195 betragen.

Demonstranten in Karachi versuchen zum US-Konsulat vorzudringen

Allein in der 18-Millionen-Metropole Karachi hatten sich am Tag der Zusammenkunft“ Tausende in den Straßen versammelt, um gegen den Film „Die Unschuld der Muslime“ zu protestieren. Die Unruhen brachen schließlich aus, als Demonstranten versuchten, in Richtung des US-Konsulats vorzudringen. Sie bewarfen die anwesenden Polizisten mit Steinen und versuchten nach Angaben der Beamten die aufgestellten Straßenblockaden zu entfernen. Diese setzten darauf hin Tränengas ein und feurten Warnschüsse in die Luft ab, um die Menge zu zerstreuen.

Ähnliche Szenen spielten sich in Peshawar ab. Hier wurde ein TV-Kameramann erschossen als die Demonstranten ein Kino plünderten und in Brand steckten. Innenminister Rehman Malik kündigte bereits an, den Vorfall näher untersuchen zu lassen. Er wiederholte die Aufforderung der Regierung an die Demonstranten Ruhe zu bewahren. Derweil beschuldigt der Arbeitgeber des Getöteten die Polizei, den Mitarbeiter ermordet zu haben. Der verantwortliche Beamte, so die Forderung, müsse sofort verhaftet und aus dem Dienst entlassen werden.

Mittlerweile wurden auch in der Bundesrepublik weitere Demonstrationen angemeldet. Sie fanden beziehungsweise finden noch in Freiburg, Münster, Dortmund, Cuxhaven, Hannover, Berlin und Karlsruhe statt (für Freiburg und Karlsruhe waren die Prognosen zuversichtlich, die Behörden rechnen mit keinerlei Problemen – mehr hier). Noch vor Beginn der Demonstration in Freiburg an diesem Nachmittag warnte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Gewalt darf es nicht geben.“ Man erwarte, „dass diejenigen, die an den Protesten teilnehmen, sich friedlich, gewaltfrei, besonnen verhalten.“ Begleitet wurde die Veranstaltung anschließend von einem massiven Polizeiaufgebot. Im Laufe des Nachmittags finden sich rund 1000 Menschen, darunter auch viele Nicht-Muslime, in Freiburg ein. Nach gut zwei Stunden ging die Versammlung unblutig zu Ende.

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