Istanbul: Das neue Mekka für ausländische Firmen?

Schon lange gilt Istanbul als die Stadt der Museen. Doch offenbar ist die türkische Megacity am Bosporus auch für ausländische Investoren besonders attraktiv. Mehr als die Hälfte der 30.507 Firmen mit internationalem Kapital, die derzeit in der Türkei agieren, sitzen in Istanbul. Und diese binden die Arbeitnehmer der Region gehörig ein. Hier kommt auf 2434 Angestellte mindestens eine ausländische Partnerfirma. Doch der Trend hat auch Schattenseiten.

Nach Berechnungen des türkischen Wirtschaftsministeriums auf der Grundlage von direkten, internationalen Investitionen gab es im Juli 2012 in der Türkei insgesamt 30.507 Firmen mit internationalem Kapital. Das berichtet derzeit die türkische Zeitung Sabah.

Demnach befindet sich Istanbul mit 17,305 Unternehmen dieser Art im Augenblick an der Spitze der Provinzen mit ausländischen Partnerfirmen. 6,319 davon sind im Groß- und Einzelhandel aktiv. 2,808 in der verarbeitenden Industrie und 2,673 im Immobilien- und Vermietungswesen sowie in anderen Geschäftsaktivitäten angesiedelt.

Istanbul nach folgt Antalya mit 3,580 Firmen, Ankara rangiert mit 2,023 Unternehmen auf Position drei. Izmir hält Rang vier und Bodrum Rang fünf mit 1,743 bzw. 1,432 dieser Firmen-Konstellationen. Mit großem Abstand folgt Bursa. Hier haben sich 576 derartige Unternehmen angesiedelt. Im Rest des Landes, so heißt es weiter, befänden sich darüber hinaus 2,213 Unternehmungen, die mit ausländischen Mitteln finanziert wurden.

Investitionsprojekte in Höhe von 1,686.6 Milliarden US-Dollar

Istanbul ist jedoch nicht nur die führende Provinz in Bezug auf die Zahl der ausländischen Firmen, sondern auch was das Verhältnis dieser Unternehmen zur Gesamtzahl der Angestellten angeht. Aktuell gehen 4,211,000 Menschen in der Millionenstadt einer Beschäftigung nach. Dabei kommt auf 2,434 Angestellte eine Firma mit ausländischen Partnern. Und wie ist das Verhältnis andernorts? In Ankara beispielsweise stehen derzeit 1,545,000 Bürgerinnen und Bürger in einem Arbeitsverhältnis. Auf 763 Angestellte kommt hier eine dieser Unternehmungen. In Izmir gestaltet sich die Lage ähnlich: Insgesamt stehen 1,410,000 Angestellte in Lohn und Brot. Das Verhältnis zwischen ausländischen Betrieben und türkischen Mitarbeitern liegt bei 1:808.

Insgesamt gab es in der Zeit von Januar bis Juli 2012 insgesamt 113 dokumentierte Investitionsprojekte in Höhe von 1,686.6 Milliarden US-Dollar (bereits im Dezember 2011 kündigte das amerikanische Unternehmen Dow Chemical an die Zusammenarbeit mit der türkischen Firma Aksa weiter ausbauen und eine Milliarde Dollar investieren zu wollen – mehr hier).

Infrastruktur von Istanbul stößt an ihre Grenzen

Neu ist die Konzentration auf Istanbul indes nicht. Bereits im Januar dieses Jahres meldeten türkische Medien, dass 95 Prozent aller ausländischen Unternehmen in der Türkei in der Region um Istanbul sitzen würden (und Istanbul will als Finanzplan sogar New York und London ablösen – mehr hier). Doch das bringt mittlerweile auch die örtliche Infrastruktur an ihre Grenzen. Spürbar wird die Belastung vor allem beim Verkehr und der Stromversorgung. Dafür sei es im Großraum Istanbul auf der anderen Seite leichter, geeignetes Personal zu finden. Derzeit gebe es alleine aus Deutschland 5.000 Unternehmen, die eine Niederlassung in der Türkei unterhalten würden. In einer weiteren Herausforderung liege übrigens gleichzeitig eine Chance für innovative Unternehmen: der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch steige im Moment überproportional zum Wirtschaftswachstum. Bis zum Jahr 2020 rechnet die Türkei mit einer Verdopplung des Energiebedarfs. Bereits in fünf Jahren wird mit einer Versorgungslücke gerechnet.

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