Französisch-türkische Beziehungen: Präsident Hollande will 2013 ein neues Kapitel aufschlagen

Frankreichs Präsident François Hollande plant für Anfang des Jahres 2013 offenbar einen Besuch in der Türkei. Ziel der Visite, so heißt es derzeit aus dem Élysée-Palast, sei es, ein neues Kapitel in den türkisch-französischen Beziehungen aufzuschlagen.

Wie derzeit die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, würden die Vorbereitungen im  Élysée-Palast für einen Türkeibesuch in wenigen Monaten bereits in vollem Gange sein. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass François Hollande und der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan die Gelegenheit nutzen und Details des Besuches während der anstehenden UN-Vollversammlung am 24. September in New York besprechen.

Wie Erdoğans Büro jedoch am vergangenen Freitag kurzfristig mitteilte, hat der AKP-Politiker seine Reise in die USA auf Grund eines anstehenden Parteikongresses am 30. September und eines insgesamt dichten Terminplans abgesagt (eigentlich sollte er dort für den erkrankten Staatspräsident Abdullah Gül einspringen und auch eine Rede halten – mehr hier). Nun wird an seiner statt Außenminister Ahmet Davutoğlu die türkische Delegation in New York anführen.

Genozid und EU-Beitritt belasten das Verhältnis

Während der Präsidentschaft von Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatten sich die türkisch-französischen Beziehungen deutlich verschlechtert. Belastet wurde das Verhältnis nicht nur durch eine Debatte über ein in Frankreich angedachtes Genozid-Gesetz (zuletzt widersprach jedoch auch Hollande seinem Außenminister Fabius und kündigte an, einen neuen Entwurf einzureichen – mehr hier), auch die ablehnende Haltung Frankreichs hinsichtlich einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei trugen ihren Teil zur eisigen Stimmung bei.

Mit Sarkozys Wahlniederlage im vergangenen Juni haben sich für Frankreich und die Türkei nun neue Chancen eröffnet. Ankara spart nicht mit Lob für die neue französische Regierung und deren Bereitschaft, die Beziehungen wiederherzustellen. Und ein erstes Treffen zwischen Erdoğan und Hollande hat es ebenfalls schon gegeben. Am Rande einer  UN-Konferenz in Rio de Janeiro, Brasilien unterstrichen die beiden Politiker die Notwendigkeit, nach einer diplomatisch äußerst schwierigen Zeit, nun ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen aufzuschlagen. Im Zuge dessen sprach Erdoğan auch eine Einladung in die Türkei aus (schon jetzt scheint sich der Wind in der türkisch-französischen Beziehung deutlich gedreht zu haben – mehr hier). Hollandes Besuch in der Türkei wäre nach Angaben des Premiers der erste Besuch eines französischen Präsidenten nach gut 20 Jahren.

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