Weltalzheimertag 2012: Krankheit in der Türkei auf dem Vormarsch

Unter dem Motto „Demenz: zusammen leben“ wurde am vergangenen Freitag, den 21. September, der Weltalzheimertag 2012 begangen. Seit 1994 finden an diesem Tag besondere Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation von Alzheimer-Patienten samt ihrer Familien aufmerksam zu machen. Denn deren Zahl steigt weltweit - auch in der Türkei.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in der Türkei derzeit etwa 500,000 Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind. Und deren Zahl, so berichtet das türkische Blatt Zaman, steige weiter an. Demnach hätten die Daten auch aufgezeigt, dass die Türkei mittlerweile zu den Top vier derjenigen Länder gehöre, die bis zum Jahr 2050 die höchste Alzheimer-Prävalenz aufweisen würden.

Bis dahin, so die Schätzungen, werde die Zahl der mit Alzheimer diagnostizierten Patienten in der Türkei auf gut zwei Millionen Menschen ansteigen (auch die Zahl der HIV-Infizierten in der Türkei steigt – mehr hier).

Wie Ahmet Turan Işık, Professor für Geriatrie, gegenüber dem Medium grob umreißt, handelt es sich bei Alzheimer um eine fortschreitende Erkrankung, die durch Gedächtnisstörungen gekennzeichnet sei und meist Menschen treffe, die älter seien als 60 bzw. 65 Jahre. Ganze 95 Prozent der Diagnosen, so der Mediziner weiter, würden nach dem 65. Lebensjahr gestellt. Insgesamt sei die Krankheit in der Türkei auf dem Vormarsch. Doch das sei eine Entwicklung, die auch weltweit zu beobachten sei.

Entwicklung: Türken sind sich der Krankheit stärker bewusst

Gerade in den letzten Jahren, stellt Işık heraus, hätte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten erhöht. Dies hänge jedoch auch damit zusammen, dass die Menschen sich dieser Krankheit mittlerweile auch stärker bewusst wären. Gleichzeitig weist er jedoch darauf hin: „Es gibt viele Menschen in der Türkei, die nicht glauben, dass Gedächtnisstörungen ein Zeichen für Alzheimer sind. Deshalb gibt es nach wie vor viele, die nicht diganostiziert worden sind. In den vergangenen Jahren hat sich das allerdings verändert und hat zu einer steigenden Zahl von Alzheimer-Fällen in der Türkei geführt.“

Durch eine entsprechende Behandlung, betont Işık nachdrücklich, könne das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden. In diesem Zusammenhang sei es seiner Ansicht nach äußerst wichtig, dass die Patienten sowohl von einem Neurologen, einem Psychologen und Fachärzten der Geriatrie mit dem entsprechenden Spezialgebiet betreut würden.

Welche dramatischen Folgen Alzheimer für die Patienten und ihre Angehörigen im Alltag annehmen kann, das zeigen gerade zwei Fälle in Istanbul. Dort sucht die Polizei im Moment nach dem Iraner Bahman Mohajer und dem Iraker Rarıda Hikmet Silevany. Beide sind an Alzheimer erkrankt und gelten bereits seit vergangenen Monat als vermisst. Mohajer verließ während eines Familienessens in einem Restaurant in Beyoğlu einfach das Restaurant. Sein hinterher eilender Sohn konnte ihn nicht mehr ausfindig machen. Der Iraker Silevany verschwand ebenfalls letzten Monat am Atatürk Flughafen. In Anbetracht dieser Vorfälle hat die türkische Polizei nun die Angehörigen von Patienten mit Alzheimer gebeten, deren Fingerabdrücke auf den Dienststellen registrieren zu lassen. Darüber hinaus wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich mit Beamten in Verbindung zu setzen, sobald ihnen eine Person mit Gedächtnisstörungen auffalle und einen desorientierten Eindruck mache.

UN schätzt rund 106 Millionen Patienten bis zum Jahr 2050

In Deutschland leiden derzeit gut 1,2 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung, 700.000 davon unter Morbus Alzheimer. Jahr für Jahr kommen etwa  200.000 neue Demenzerkrankungen hinzu von denen 120.000 vom Alzheimertyp sind. Weltweit, so der Stand des Jahres 2010, gibt es rund 35 Millionen Patienten, die an der Alzheimer-Krankheit leiden. Bis zum Jahr 2050 soll sich deren Zahl laut UN-Berechnugnen aber auf rund 106 Millionen Patienten erhöhen. In Deutschland, so befürchtet etwa die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, soll es dann drei Millionen Alzheimer-Patienten geben. Eine Heilung dieser neurodegenerativen Erkrankung gibt es bis heute nicht (auf einem anderen Gebiet gelang der türkischen Forschung kürzlich ein Durchbruch – mehr hier).

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