Pew Research Center: Intoleranz auf Grund der Religion nimmt zu

Rund 75 Prozent der Weltbevölkerung sehen sich derzeit mit Einschränkungen auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit konfrontiert. Zurückzuführen ist das auf die zunehmenden Bestrebungen von Regierungen, Religion in bestimmte Grenzen zu zwingen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des renommierten Pew Research Centers.

Wie die Untersuchung der Abteilung „Pew Forum on Religion & Public Life“ des Washingtoner Pew-Forschungszentrums ergeben hat, stiegen Restriktionen auch in den sonst als traditionell tolerant geltenden Staaten wie den USA und der Schweiz an (in den Vereinigten Staaten gehören Muslime zu den unbeliebtesten Minderheiten – mehr hier).

Insgesamt, so heißt es in in dem Paper mit dem Titel „Rising Tide of Restrictions on Religion“ weiter, seien die Beschränkungen der Religionsfreiheit weltweit auf dem Vormarsch. In 37 Prozent aller Länder herrschten auf Grundlage der Daten des Jahres 2010 hohe oder sehr hohe Restriktionen für Glaubensgemeinschaften. Im Jahr zuvor waren es noch 31 Prozent. Als Kriterien, die den Umfang der Beschränkungen messen sollten, wurden unter anderem die Bemühungen der Regierung herangezogen, einzelne Glaubensrichtungen bzw. den Wechsel zu ihnen zu verbieten oder das Predigen einzuschränken.

„Da einige der restriktivsten Länder sehr bevölkerungsreich sind, leben derzeit etwa drei Viertel der Menschheit, also etwa sieben Milliarden Menschen weltweit, in Ländern mit hohen staatlichen Beschränkungen der Religion oder sozialen Anfeindungen. Im Jahr zuvor waren es 70 Prozent“, so der Bericht (in Deutschland wurde eine Kampagne des Innenministeriums kurzfristig verschoben – mehr hier).

Pew Research Center: Lage in Brunei und der Türkei verbessert

Zu den Ländern, in denen Mitte 2010 besonders hohe Beschränkungen der Religion anzutreffen waren, gehören Ägypten, Indonesien, die Malediven, Saudi-Arabien, Afghanistan, der Iran, Usbekistan, Tunesien, Eritrea, China, Syrien, Myanmar, Russland, Vietnam, der Jemen, Aserbaidschan, Algerien und Weißrussland. Allein in den letzten drei Jahren habe sich die Liste von zehn auf heute 18 Staaten vergrößert. Verbessert habe sich die Situation jedoch in der Türkei und in Brunei (für den türkischen Premier ist Islamfeindlichkeit ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit – mehr hier), verschlechtert habe sich die Lage hingegen in Indonesien oder Nigeria. Als Beispiele für religiöse Einschränkungen werden etwa ein Verfassungsreferendum in der Schweiz gegen den Bau von Minaretten auf Moscheen angeführt (für den Europäischen Gerichtshof war das allerdings kein Thema – mehr hier). Daneben seien in Indonesien auf Druck von islamistischen Extremisten oder lokalen Beamten mehr als zwei Dutzend Kirchen gezwungen worden zu schließen. Zu den Nationen mit den größten rechtlichen wie auch sozialen Einschränkungen für die Gläubigen zählen neben Russland auch Ägypten, Indonesien, Saudi-Arabien, Jemen und Afghanistan.

Fünf der sieben betrachteten großen Religionsgruppen – Juden, Christen, Buddhisten, Anhänger von Folklore oder traditionellen Religionen und Mitglieder anderer Weltreligionen – erlebten darüber hinaus ein Vier-Jahres-Hoch hinsichtlich der Zahl der Länder, in denen sie wegen ihrer Religion von der Regierung, von Einzelpersonen oder von Gruppen in der Gesellschaft gequält wurden.

USA übt harte Kritik an Religionsfreiheit in der Türkei

Obschon sich die Türkei laut Pew Research Center verbessert hat, übte die USA in ihrem jährlichen Bericht zur Religionsfreiheit harte Kritik an der Türkei. Noch immer komme es nach Einschätzungen des US-Außenministeriums zu starken Einschränkungen. Zu den in der Türkei problematischen Themen gehöre beispielsweise die noch nicht erfolgte Wiedereröffnung des griechisch-orthodoxen Priesterseminars Halki, das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst, die fehlende Möglichkeit der Wehrdienstverweigerung, die obligatorische religiöse Erziehung sowie die Hindernisse, denen Aleviten in der Türkei in ihrer Religionsausübung ausgesetzt seien (Viele Christen, Baha, Juden sowie Aleviten seien gesellschaftlichem Misstrauen und Verdächtigungen ausgesetzt – mehr hier).

Der aktuelle Bericht ist bereits der dritte des Pew Research Centers zum Stand der weltweiten Religionsfreiheit.

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