Studium im Ausland: Junge Türkinnen und Türken geben jährlich vier Milliarden Dollar aus

Gut 100.000 türkische Studentinnen und Studenten studieren Jahr für Jahr im Ausland. Um sich diesen Traum verwirklichen zu können, geben sie rund vier Milliarden US-Dollar aus. Das zeigen aktuelle Zahlen der UNESCO.

Die Studentinnen und Studenten, so heißt es in den türkischen Medien, würden einen Auslandsaufenthalt in der Regel nutzen, um ihr Grund- und Hauptstudium zu absolvieren. Auch die Verbesserung der Sprachkenntnisse steht ganz oben auf der Liste. Diejenigen unter den Studenten, denen nur begrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung stünden, entschieden sich meistens für eine Mischung aus Arbeiten und Reisen oder nutzten Internship-Programme.

„Die meisten Studenten, die ins Ausland gehen, kommen aus den drei großen Städten [Istanbul, Ankara, İzmir]. Doch auch in den Provinzen Gaziantep, Konya, Kayseri, Eskişehir und Bursa ist in den vergangenen Jahren ein steigendes Interesse zu verzeichnen“, erläutert Deniz Akar, Generalmanager bei der International Educations Fairs of Turkey (IEFT). Türkische Studentinen und Studenten, so fährt er fort, würden im Zuge ihres Auslandsaufenthaltes vor allem Betriebswirtschaft, Marketing, Finanzen, Medizin und Ingenieurwissenschaften bevorzugen. Oftmals zöge es diejenigen, die in der Türkei keinen Platz für Medizin, Zahnmedizin oder Ingenieurwissenschaften ergattern konnten, nach Osteuropa oder in die skandinavischen Länder (derweil hat die EU kürzlich eine Frauenquote für Führungsgremien beschlossen – mehr hier).

Großbritannien und USA bei Türken besonders beliebt

Derzeit studieren schätzungsweise vier Millionen junge Leute fern der eigenen Heimat und geben dafür insgesamt run 150 Milliarden US-Dollar aus. Bis 2020, so die derzeitigen Prognosen, werde ihre Zahl allerdings kontinuierlich steigen und schließlich die Acht-Millionen-Marke überschreiten.

Weltweit führend hinsichtlich der Zahl ihrer Auslandsstudenten ist im Augenblick China. Allerdings macht sich die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft derzeit im Gegenzug auch auf, bis 2020 die Vereinigten Staaten in Bezug auf die Anzahl der ausländischen Studierenden, die das Land anzieht, zu überrunden.

Doch wohin zieht es die türkischen Studentinnen und Studenten am liebsten? Ganz vorne mit dabei ist derzeit Großbritannien mit rund 30.000 türkischen Studenten. Auf Platz zwei folgt die USA (25.000), danach kommen Deutschland (10.000) und Frankreich (4.000), dicht gefolgt von Australien (3.500) und Kanada (3.000). Aber auch Russland (1.500), China (1.000), die Ukraine (1.000) und Italien (800) werden von ihnen als Bildungsziele angesteuert.

Wirtschaftsminister: Studenten sollen wieder zurückkommen

Für die türkische Wirtschaft bleibt unterdessen zu hoffen, dass diese gut ausgebildeten jungen Leute nach ihrem Studium den Weg zurück in die Heimat finden. Zwar herrscht mit acht Prozent derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote seit mehr als zehn Jahren, gleichzeitig gibt es aber auch einen massiven Mangel an qualifizierten Arbeitskräften – gut 100.000 sollen derzeit fehlen. Erst vor weigen Wochen rief deshalb auch der türkische Wirtschaftsminister Nihat Ergün türkische Wissenschaftler und qualifizierte Personen mit technischen Fähigkeiten im Ausland dazu auf, wieder in die Türkei zurückzukehren.

Wie wichtig das für die Türkei sei und welchen Wert das Land den Themen Forschung und Entwicklung mittlerweile beimisst, dazu äußerte sich auch TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak. Das Land stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250,000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich (die Türkei braucht dringend mehr akademischen Nachwuchs – mehr hier).

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