Al Gore: Weltweiter Einfluss der Türkei wird zunehmen

Der ehemalige US-Vize-Präsident Al Gore hält große Stücke auf die Türkei. Seiner Ansicht nach werde das Land schon bald zu den Nationen gehören, die die Zukunft maßgeblich mitgestalten. Für den Umweltschützer und Nobelpreisträger ist klar: Die Türken können es bis zum Weltmarktführer schaffen.

Albert Arnold Al Gore, Aufsichtsratsmitglied von Apple und hochrangiger Berater von Google, war in diesem Jahr Ehrengast auf der Turkcell Leiterkonferenz in Istanbul. In seiner Rede stellte der einstige US-amerikanische Politiker heraus, dass die Bedeutung der Türkei innerhalb der Weltwirtschaft kontinuierlich zunehme.

Vor allem hinsichtlich der Erneuerbaren Energien trage das Land große Potentiale in sich. „Es gibt einen signifikanten Anstieg der Pro-Kopf-Einkommen und das Land hat eine glänzende Zukunft vor sich. Wir wünschten uns, dass die Weltwirtschaft derart gut sein könnte, wie es die türkische Wirtschaft derzeit ist. Die Europäische Union sollte die Türkei aufnehmen“, bringt Gore seine Wertschätzung zum Ausdruck.

Europa könnte von der Türkei lernen

Für Gore ist derzeit klar: Die Türkei wird zu den Nationen gehören, die die Zukunft mitbestimmen werden. Hinsichtlich der makroökonomischen Politik könne Europa seiner Ansicht nach in der Tat noch von der Türkei lernen. Welche Bedeutung das Land bereits in der Region hätte, das habe er im Rahmen zahlreicher Gespräche mit Bekannten auf dem Balkan, in Zentralasien und Griechenland erfahren. Allesamt hätten sie die regionale Macht der Türkei herausgestellt und waren sich einig: Die Türkei kann es zum Weltmarktführer schaffen. Und auch er selbst verfolge seit Jahren genau, was in der Türkei – vor allem hinsichtlich der technologischen Entwicklung – passiere (im WEF-Ranking macht die Türkei 16 Plätze gut – mehr hier).

Nachdrücklich stellte Al Gore in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von Forschung und Entwicklung heraus. Selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise sollten Unternehmen diesen Aspekt nicht zu kurz kommen lassen. Denn gerade in einer solchen Phase gelte es nicht nur Marktanteile zu schützen, sondern es gehe auch darum, die zur Verfügung stehende technologische Infrastruktur richtig zu nutzen.

Türkische Wirtschaft in ruhigerem Fahrwasser

Doch ist die wirtschaftliche Zukunft der Türkei wirklich so rosig? Zwar erfreut sich die türkische Regierung derzeit an einem konstant sinkenden Leistungsbilanzdefizit, gleichzeitig fällt jedoch auch die Wachstumsrate des Landes ab. Das Wachstumsziel von vier Prozent für 2012 ist gefährdet (im vergangenen Jahr lag das Wirtschaftswachstum bei 9,6 % – mehr hier). Im August dieses Jahres kam es dann auch noch zu einem Exporteinbruch nach Europa von ganzen 13 Prozent. Grund zur Panik gibt es für TİM-Präsident Mehmet Büyükekşi allerdings nicht. Er analysiert: „Wir haben eine gesunde, wirtschaftliche Landung hingelegt. Jetzt fahren wir mit ruhigerem Tempo fort.“ Im Zuge der europäischen Wirtschaftskrise, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Doğan, habe sich auch das türkische Wirtschaftswachstum verlangsamt. Diese Wachstumsraten seien auf der ganzen Welt gefallen.

Gleichzeitig vermag der türkische Vize-Premier Ali Babacan einen weiteren Trend erkennen: Die Finanzkrise hat die die Wirtschaftsmacht der G-7-Staaten stark geschädigt. Sie verlieren an Einfluss. Künftig werden die Schwellenländer eine immer größere Rolle in der globalen Finanz- und Wirtschaftspolitik spielen (Polen und die Türkei gelten als die „Tiger Europas“ – mehr hier).

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