Dringend gesucht: Die Türkei braucht mehr technologische Investoren

Technologisch ist die Türkei schon lange kein Terra incognita mehr. Ganz im Gegenteil wird das Land von vielen als schöne neue Welt betrachtet. Zumindest in den großen Städten sind die Menschen ausgesprochen Technik affin. Die Zahl der iPhones ist gigantisch, die Breitband-Geschwindigkeiten enorm und Soziale Netzwerke der Renner. Doch die Türkei, so ein Branchenfachmann, stehe noch ganz am Anfang.

Im vergangenen Jahr, so beschreibt „Financial Times“-Redakteur Daniel Dombey die aktuelle Atmosphäre, zielten ein Viertel aller türkischen Werbsurfing-Aktivitäten auf Facebook ab (das bestätigt auch ein Alexa-Ranking – mehr hier). Und auch Ebay habe 2011 für Furore gesorgt, als das Unternehmen die lokale Bieterplattform GittiGidiyor erworben habe. Ein Stück vom Kuchen abhaben wolle derzeit auch Yandex. Der russische Gegenentwurf zu Google hoffe, den derzeit bestehenden Anteil am türkischen Markt von satten 91 Prozent aufbrechen und in den kommenden fünf Jahren gut 35 Prozent davon einheimsen zu können.

Situation in der Türkei mit China und Brasilien vergleichbar

Die Zeichen der Zeit, so scheint es, wurden von einigen der ganz großen bereits erkannt. Doch wie Baris Aksoy, der gerade eine Niederlassung für Inter Capital, die erste weltweit tätige Investment-Organisation im Technologiesegment mit Sitz im Silicon Valley, in Istanbul eröffnet hat, gegenüber dem Medium erklärt, stünde die Türkei noch ganz am Anfang. Seiner Ansicht nach sei die Situation sehr gut mit der in Brasilien vor fünf Jahren oder mit China in den 1990er Jahren vergleichbar. Zwar nicht, was den Stand der Technologie betreffe oder den Enthusiasmus, mit dem die Türken Neues adaptieren würden, sondern hinsichtlich ihres „Ökosystems“, wie er es nennt (derzeit versucht auch der türkische Wissenschaftsrat Innovationen voranzutreiben – mehr hier).

All die Banker, Anwälte und Berater, die reibungslos in anderen Ländern investieren, würden auf dem Technologie-Markt der Türkei immer weniger werden. Immer noch, so konstatiert Aksoy, würde das Verkaufen von Unternehmensaktien als eine Art Scheitern betrachtet werden. Gleichzeitig gesteht der Fachmann aber auch ein, dass im Gegensatz zur heutigen Lage in China die türkischen Entrepreneurs gerade einmal in der ersten Generation auf dem Markt seien, während im fernen Asien bereits die fünfte oder gar sechste Generation dieser Leute das Zepter in der Hand hält und nun entweder neue Unternehmen gründe, in die bestehenden investiere oder ihnen als Berater zur Seite ständen.

Ideale Bedingungen: Viele junge Leute, ordentliches Einkommen

Die Zukunft für sich und seine Landsleute sieht Aksoy jedenfalls rosig. Die Türkei habe eine überwiegend junge Population – die Hälfte sei unter 30 – daneben gebe es eine halbe Million Universitätsabsolventen und jede Menge Leute mit einem ordentlichen Einkommen, da viele selbst nachdem sie einen Job ergattert haben, noch zu Hause wohnen würden. Ein daraus resultierendes Phänomen, so Aksoy, sei zum Beispiel die hohe Dichte an iPhones. Das sei zwar alles schön und gut. Doch das, was die Türkei jetzt wirklich brauche, seien Investitionen in der Technologie-Sparte und deutlich mehr Wettbewerb. Im Moment seien Tech-Investoren in der Türkei das Gegenteil von Private Equity-Fonds, die über Dutzenden von nicht wirklich vielen Investitionsmöglichkeiten schwebten.

Er jedenfalls würde es begrüßen, wenn mehr Technologie-Investoren die Türkei für sich entdeckten und das dortige „Ökosystem“ zum Florieren bringen würden (umgekehrt interessieren sich viele türkische Studentinnen und Studenten gerade für technische Studiengänge im Ausland – mehr hier).

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