Türkei klagt über Ratingagenturen: „Wir haben 32 Milliarden Dollar verloren“

Falsche Bewertungen durch Ratingagenturen kosten die Türkei Investitionen in Milliardenhöhe, so der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek. Dabei stützt er sich auf einen aktuellen Bericht einer türkischen Stiftung zu den Auswirkungen der Ratings. Eine strukturelle Veränderung der Ratingagenturen sei mehr als überfällig.

Die internationalen Ratingagenturen bewerten die Türkei nicht auf Grundlage der wirtschaftlichen Leistung, beklagt Finanzminister Mehmet Şimşek. Bei der Veröffentlichung eines Forschungsberichts zu den Auswirkung der Ratings erklärte er, die Türkei hätte zusätzlich 32 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen erhalten können,  „wenn die Türkei das Rating erhalten hätte, was sie verdient“.

Ein Rating richte sich danach, wie groß die Kapazität eines Landes ist, Schulden zurückzuzahlen und ob die Politik gewillt ist, das auch zu tun, so Şimşek. Die Türkei habe im vergangenen Jahrzehnt ein durchschnittliches Wachstum von 5,3 Prozent im Jahr gezeigt. Er glaubt, dass die Wirtschaft im Land noch weitere 30 bis 40 Jahre wachsen werde.

Trotz der schlechten Ratings – Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch hatten die Türkei auf unter Investement Grade gestuft – habe die Türkei Investitionen von über 120 Milliarden Euro angelockt. Die Ratingagenturen brauchen seiner Ansicht nach eine strukturelle Veränderung.

Der Bericht der Stiftung für Politik, Wirtschaft und Soziale Forschung (SETA) findet deutlichere Worte. „Die Einnahmen der Ratingagenturen durch Anleihen sind höher als durch Kredit-Ratings“, heißt es in dem von Erdal Tanas Karagöl und Ülkü İstiklal Mıhçokur erarbeiteten Dokument. Obwohl die Bedingungen für die Ratings den finanziellen Bereich betreffen sollen, seien sie nicht objektiv. Zudem gäbe es keine einheitlichen Kriterien, was die Bewertungen oft nicht nachvollziehbar mache. „Kredit-Ratings könnten zu einer Waffe im politischen Krieg werden“, befürchtet die Stiftung. Zudem werde beim Rating nicht zwischen strukturellen Unterschieden in den verschiedenen Ländern eingegangen.

Zum SETA-Bericht geht es hier.

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