Kemal Derviş: Die Türkei muss sich wieder auf die EU konzentrieren

Der EU steht eine grundlegende Veränderung bevor. Der Ökonom Kemal Derviş fordert, dass die Türkei weniger passiv sein solle. In der neuen EU müsse sie ihre Chancen nutzen, statt sich abzuwenden.

Die Finanzkrise in der EU führt zu grundlegenden Veränderungen. Das komplette europäische System bilde sich neu, so der Ökonom Kemal Derviş. Das sei die Chance für die Türkei eine führende Rolle in dieser Entwicklung zu spielen und eigene Anliegen wieder auf die EU-Agenda bringen.

Doch die Gefahr sei, dass sich die Türkei von der EU ab- und dem Mittleren Osten zuwende. Auch der Westen versuche, die Türkei in diese Rolle zu drängen. „Ich fürchte, dass einige Kräfte im Westen die Türkei ermutigen wollen, eine sehr aktive politische Rolle [im Mittleren Osten] zu spielen und das vielleicht sogar militärisch“, so Derviş. Statt zu intervenieren, solle sich der Einfluss der Türkei darauf beschränken, der Arabischen Welt als Vorbild zu dienen.

In der EU solle die Türkei aktiver werden. Statt zu warten, dass die EU mit neuen Vorschlägen an die Türkei heran käme, solle das die Türkei einfach selbstbewusst selbst übernehmen. „Kein Europäisches Land wird international noch allein Einfluss nehmen können. Es muss gemeinsam agiert werden und die Türkei ist ein wichtiges Mitglied der europäischen Familie“, erklärte Derviş im Interview mit der Tageszeitung Hürriyet.

Kemal Derviş war ehemaliger Wirtschaftsminister der Türkei und Vize-Präsident der Weltbank, derzeit ist er Vize-Präsident der Brookings Institution.

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