Nuri Bilge Ceylan: Türkische Filmindustrie unterliegt keiner Zensur

Der bekannte türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan hat während einer Pressekonferenz zum St. Petersburger Filmfestival in Russland eine Lanze für das türkische Kino gebrochen. Angeblich, so der Künstler, würden die Filmschaffenden in der Türkei nicht zensiert und der Staat ganz im Gegenteil seine Unterstützung derzeit sogar noch weiter ausbauen.

Während der Pressekonferenz, so berichtet derzeit die Zeitung Sabah, verwies Nuri Bilge Ceylan unter anderem auf die 1970er Jahre, in denen die türkische Filmindustrie eine wahre Blüte erlebt hätte. Das Yeşilçam Theater sei nach Ansicht des Regisseurs als eine der großartigsten Kinos der Welt zu betrachten. Damals seien gut und gerne 300 Filme im Jahr produziert worden. Diese Schaffenskraft von einst habe sich, so Ceylan, jedoch reduziert – aus einer ganzen Reihe von Faktoren (die türkische Filmszene trauert derzeit um ihren Filmregisseur, Schauspieler und Kunsthistoriker Metin Erksan – mehr hier).

Die Türkei hat viele junge Regisseure

Im Jahr 2003, als er mit dem Film „Uzak“ in den Kinos war, erinnert sich der Regisseur zurück, hätte die türkische Filmindustrie gerade einmal sieben Streifen pro Jahr hervorgebracht. Doch mit Hilfe der türkischen Regierung würde sich hier gerade eine Kehrtwende vollziehen. Derzeit seien es schon wieder geschätzte 100 Filme pro Jahr, die die hiesige Filmindustrie hervorbringe. Und diese seien noch nicht einmal von schlechter Qualität. Die Ansprüche, so stellt Ceylan heraus, seien hoch. Zudem gäbe es im Augenblick besonders viele junge Regisseure (und diese gehen bei der Realisierung ihrer Projekte neue Wege – mehr hier). Ein bisschen Unterstützung, ist er überzeugt, könne hier große Effekte nach sich ziehen. Genau das beobachte er jedenfalls.

Auf das Thema Zensur in der Türkei angesprochen, stellt er fest: „Ich kann nicht behaupten, dass es in der Türkei irgendeine Form der Zensur gibt. Jeder kann drehen, was auch immer er möchte.“ Vor dem Putsch in den 1980er Jahren sei das allerdings anders gewesen. Zensur, so Ceylan, habe in einer ganzen Reihe von Ländern, darunter auch Russland, geherrscht. Zum Beispiel sei der Yılmaz Güney Film „Der Weg“ („Yol“), der Ehebruch, Ehrenmord, Zwangsverheiratung und Frauenunterdrückung thematisiert, zurückgerufen worden. 1982 erhielt der Streifen, der international für Aufsehen sorgte, dennoch die goldenen Palme von Cannes, durfte aber erst 1994 legal in der Türkei gezeigt werden.

„Heute ist die Situation eine völlig andere“, sagt Nuri Bilge Ceylan. Gehe man nun auf ein solches Festival, würde die türkische Regierung das sogar noch unterstützen (darüber hinaus sollen in der Türkei neue Filmzentren entstehen, die sogar Hollywood größte Konkurrenz machen – mehr hier).

Ceylan: Kino hat einen „Werbeeffekt“

Generell habe Kino für ihn vor allem einen Werbeeffekt. Als Beispiel nannte der Filmemacher die im Augenblick herrschende feindselige Haltung gegenüber dem Iran. Das Ansehen eines iranischen Films könnte da in den Köpfen viel bewirken. Zudem zeige Film, neben den Zeitungen, eine andere Form der Realität. Filme, als auch andere Künste wie die Literatur hätten bei ihm das Interesse für Nationen wie etwa Russland geweckt. „Kunst funktioniert wie ein Katalysator für Freundschaften.“

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