Salman Rushdie: Fatwa zu Zeiten von Facebook und Twitter hätte sein Leben massiv bedroht

Kurz nachdem als Reaktion auf den anti-islamischem Schmähfilm „Die Unschuld der Muslime“ sein Kopfgeld auf 3,3 Millionen Dollar erhöht wurde, meldet sich der britische Autor Salman Rushdie selbst zu Wort. Er ist sich sicher, wäre die Fatwa wegen seines Buches „Die satanischen Verse“ erstmals in Zeiten Sozialer Netzwerke ausgesprochen worden, hätte das sein Leben noch massiver bedroht.

Salman Rushdie, der im Zuge der Veröffentlichung der „Satanischen Verse“ 1988 viele Jahre im Untergrund verbringen musste, beschreibt die damals gegen ihn geführte Kampagne bereits als „sehr effizient und sehr international“, obschon damals nur Telefone und Faxgeräte zur Verfügung standen. Das berichtet die türkische Tageszeitung Hürriyet.

Weder Email, noch Textnachrichten, kein Facebook, Twitter und  Internet hätten zur Zeit des Mordaufrufs des iranischen Ayatollah Khomeini zur Verfügung gestanden. Genau das, da sei er sich heute sicher, hätte die Angriffe auf ihn verzögert. Mittlerweile ist das allerdings anders: Wenn jeder alles sofort über einen anderen wissen könnte, so Rushdie, dann wäre eine Mobilisierung der Massen gegen das Buch mit noch größerem Tempo möglich und wäre damit viel gefährlicher (gegen deutsche Politiker gab es in den letzten Tagen Morddrohungen – mehr hier).

Salman Rushdie: Racheglüsten muss widerstanden werden

Scharf kritisierte der Autor auch die, wie er es nennt, „Kultur der Gekränktheit“. Seiner Ansicht nach sei es völlig absurd und bedrohe zudem die Redefreiheit, wenn Menschen das Verbot eines Werkes forderten, nur weil andere sich darüber ärgern würden. Die Idee, dass wir fordern könnten in einer Welt zu leben, in der nichts niemanden beleidigt, sei absurd, so der 65-Jährige, der jetzt in Berlin exklusiv seine Autobiographie „Jospeh Anton“ vorstellte. Diese Kultur zeige sich jedoch nicht nur islamischen Radikalen, sondern überall auf der Welt und würde als Argument vorgebracht, um andere zu attackieren (in Tschetschenien ist der anti-islamische Schmähfilm einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge verboten worden – mehr hier). Dem, so sein Appell in der Bundeshauptstadt, müsse man widerstehen. Sonst könnte man am Ende etwas sehr wertvolles einbüßen: Die Meinungsfreiheit, die nicht so leicht errungen wurde. Er selbst habe das in den letzten Jahrzehnten jedenfalls versucht, Angst und Rachegedanken auszublenden und einfach der Autor zu sein, der er nunmal ist.

Erst vor einigen Tagen ist der mutmaßliche Macher des islamfeindlichen Films „Die Unschuld der Muslime” ist verhaftet worden. Doch in Pakistan brachen unterdessen bereits neue Proteste los. Abermals haben in Karachi am vergangenen Sonntag Tausende gegen das Video protestiert. Diesmal endete der Protestmarsch friedlich (zuvor gab es bereits eine ganze Reihe Toter – mehr hier).

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