Bildungsminister Ömer Dinçer enttäuscht: Kurdisch-Unterricht findet wenig Anklang

Das seit diesem Schuljahr angebotene Wahlfach Kurdisch wird laut dem türkischen Bildungsminister Ömer Dinçer schlechter angenommen, als im Vorfeld erwartet. Insgesamt hätten sich gut 25.000 Schülerinnen und Schüler für eine Sprache als Wahlfach angemeldet.

Groß war die Entscheidung, Kurdisch künftig als Wahlfach in türkischen Schulen anzubieten angekündigt worden. Jetzt musste der türkische Bildungsminister Ömer Dinçer die Euphorie bremsen. „Ich bin davon ausgegangen, dass sich mehr für Kurdisch entscheiden“, so der Minister, der gleichzeitig darauf hinwies, dass derzeit noch Daten von Schulen fehlen und endgültige Zahlen erst Ende der Woche vorliegen würden (für gut 17 Millionen Schulkinder begann am 17. September der Ernst des Lebens – mehr hier).

Laut Dinçer hätten sich 593,000 türkische Schülerinnen und Schüler für Mathematik-Klassen eingeschrieben, für Fremdsprachen entschieden sich 495,000, die Lehren des Korans sind aktuell für 479,000 Kinder interessant. Auf der anderen Seite hätten sich allerdings nur 25,000 für Sprachen und Dialekte als Wahlfach entschieden, die auch Kurdisch und Tscherkessisch beinhalten. Über das Leben des Propheten lassen sich dieses Schuljahr 305,000 Kinder unterrichten. 300,000 haben daneben Sport belegt. 259,000 wollen ihre Lesefähigkeiten schärfen, 221,000 interessieren sich für IT und Software, 180,000 wollen mehr über religiöses Basiswissen hören und 161,000 können sich für angewandte Naturwissenschaften begeistern. Künste wie Musik und Literatur wählten hingegen nur 72,000 bzw. 57,000 Schülerinnen und Schüler.

Dinçer: Gesellschaft interessiert sich kaum für Umwelt und Recht

Daneben seien laut Ömer Dinçer auch Unterrichtseinheiten zu den Themen Umweltbewusstsein und grundlegende Rechte und Gesetze angeboten worden, mangels Interesse aber nicht zustande gekommen. Die Gesellschaft, so kritisiert der Minister, habe die Wichtigkeit dieser Dinge noch nicht erkannt. Den Kinder selbst mache er hier jedenfalls keine Vorwürfe (die Einführung von Kurdisch-Unterricht sei übrigens, so Premier Erdogan, das Resultat von Anfragen kurdischer Bürger gewesen – mehr hier).

Insgesamt hätten im vergangenen Jahr 1,285,000 Schülerinnen und Schüler mit der Grundschule begonnen. 2012 sei ihre Zahl auf 1,758,000 angestiegen. Zurückzuführen sei das vor allem auf die Herabsenkung des Schuleintrittsalters auf 66 Monate. Das brachte zusätzlich 120,000 neue Schüler in die Klassen (schon am ersten Tag zeichneten sich Probleme ab – mehr hier).

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