Diskriminierung von Menschen mit Handicap: Türkische Arbeitgeber zahlen lieber die Strafe

Menschen mit Behinderung haben im türkischen Arbeitsleben offenbar keinen leichten Stand. Hiesige Arbeitgeber im öffentlichen wie im privaten Sektor zahlen lieber 733 Euro Strafe, anstatt tatsächlich Personal mit Handicap einzustellen.

Der türkische Arbeitsminister Faruk Çelik hat eine Studie veröffentlicht, wonach Arbeitgeber lieber die hohe Strafe von 733 Euro (1,700 Lira) zahlen, als einen behinderten Menschen einzustellen. Çelik beziffert die Zahl der nötigen Arbeitsplätze für den öffentlichen auf 31,111 und für den privaten Sektor auf 22,248 Posten. Die Studie hatte er als Reaktion auf eine kleine Anfrage vom Abgeordneten der Oppositionspartei CHP, Durdu Özbulat, veröffentlicht. Özbulut wollte Arbeitsminister Çelik auf die Notlage von zehn Millionen Menschen mit Handicap in der Türkei aufmerksam machen, wie die Tageszeitung „Hürriyet“ berichtet.

Çelik antwortete nun, dass im öffentlichen Sektor 53,013 Stellen vorhanden und 21,902 bereits besetzt worden seien sowie 31,111 noch besetzt werden müssten. Entsprechende Daten für den privaten Sektor gab er allerdings nicht an.

Bereits in einer Untersuchung der Vereinigung zur Prävention und Bekämpfung von Diskriminierung behinderter Menschen vom Mai dieses Jahres konnte gezeigt werden, dass Menschen mit Handicap in der Türkei diskriminiert werden (Mobbing und Ausgrenzung Behinderter ist vor allem an Schulen an der Tagesordnung – mehr hier). Von Mobbing und Ausgrenzung spricht die Untersuchung, die 800 Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Behinderung befragte. Ein positives Zeichen hatte das Amt für Religiöse Angelegenheiten bereits im Mai dieses Jahres gegeben, indem es landesweite Baumaßnahmen an den zentralen Moscheen ankündigte (Nicht nur türkische Muslime mit Handicap klagen über Probleme beim Moschee-Zugang – mehr hier).

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