Zahl der syrischen Flüchtlinge steigt dramatisch: Jordanische Polizei muss hart durchgreifen

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den benachbarten Staaten hat sich seit vergangenen Juni mehr als verdreifacht. Aktuell suchen über 300.000 Menschen Schutz vor den brutalen Kämpfen zwischen Anhängern des Regimes Baschar al-Assad und der Opposition. Nach Zwischenfällen in der Türkei, sieht sich jetzt auch die jordanische Polizei gezwungen, hart durchgreifen. Die Lage gestaltet sich zunehmend angespannt.

Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk derzeit warnt, könnte sich die Anzahl von augenblicklich 300.000 syrischen Flüchtlingen bis zum Jahresende noch einmal verdoppeln (bereits Ende August stimmte man die Türkei auf bis zu 200.000 Flüchtlinge ein, die ins Land strömen könnten – mehr hier). „Die letzten Daten zeigen eine Gesamtzahl von mehr als 311,500 registrierten Flüchtlingen in vier Staaten (Jordanien, Libanon, Türkei und Irak). Sie werden sich daran erinnern, dass es im Juni um die 100.000 waren“, fasst UNHCR-Sprecher Adrian Edwards die Situation vor Reportern in Genf zusammen. Gleichzeitig verweist Edwards auch auf die zunehmend angespannte Lage. Sowohl die Flüchtlinge als auch die Länder, die sie derzeit aufnehmen, geraten zunehmend an ihre Grenzen. Kapazitäten und Ressourcen werden knapp. Die Aufnahmeländer müssten stärker von anderen Staaten unterstützt werden, appelliert der UNHCR-Sprecher. (die Türkei veranlasst derzeit sogar zu Umsiedlungen von Flüchtlingen – mehr hier).

Der Winter naht: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Erst in der vergangenen Woche wurde der regionale Finanz- und Aktionsplan für syrische Flüchtlinge überarbeitet. Demnach, so berichtet das UNHCR auf seinen Internetseiten, würden 487,9 Millionen US-Dollar benötigt, um geschätzte 710.000 Syrer in den Nachbarstaaten bis Ende 2012 zu unterstützen. „Ein weiterer Faktor“, so Edwards, „sind die bereits in wenigen Monaten bevorstehenden winterlichen Temperaturen in der gesamten Region. Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit.“ So würden etwa in Jordanien Tausende Menschen in Zelten leben und die Tagestemperaturen von Mitte November bis Mitte März um den Gefrierpunkt liegen. Die ohnehin angespannte Lage in den Aufnahmestaaten, so seine Prognose, werde sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen. „In Jordanien sind bislang 103.488 Syrer registriert worden oder warten auf Registrierung. Der neue Finanz- und Aktionsplan kalkuliert mit 250.000 Flüchtlingen bis zum Jahresende“, so das Flüchtlingshilfswerk.

Eine ähnliche Situation wird sich auch in der Türkei ergeben. Hier sind mittlerweile mehr als 93.500 syrische Flüchtlinge registriert. Untergebracht sind sie in derzeit 13 Flüchtlingscamps. Bis zum Ende des Jahres rechnet man nun allerdings schon mit 280.000 Menschen aus dem gebeutelten Nachbarland.

Flüchtlinge in Jordanien protestieren gegen Lebensbedingungen

Zu Gewalt kommt es mittlerweile auch in den Flüchtlingslagern. Nachdem es bereits im Juli zu Ausschreitungen in türkischen Camps und Massenentführungen im Libanon gekommen war, werden seit einiger Zeit ähnliche Situationen aus Jordanien gemeldet (die Türkei nahm jedoch trotz der Unruhen weiter Flüchtlinge auf – mehr hier). So musste die jordanische Polizei erst in der vergangenen Woche in einem Camp im Norden des Landes Tränengas einsetzen, um für Ordnung zu sorgen, nachdem Flüchtlinge Zelte angezündet hatten und die Einrichtung zerstörten, um gegen ihre dortigen Lebensbedingungen zu protestieren.

„Gut 500 Flüchtlinge demonstrierten gegen ihre Lebensbedingungen im Zaatari Lager“, berichtet Zayed Hammad, Leiter der islamischen Hilfsorganisation „Ketab und Sunna Gesellschaft“, von den Vorfällen Ende September. Andere Medien sprechen gar von rund 1000 Demonstranten. In ihrem Zorn hätten sie Zelte und ein Feldlazarett angezündet sowie Krankenwägen zerstört. Es mangele an Wasser, die Flüchtlinge dürften das Lager nicht verlassen. Die Demonstranten forderten, nach Syrien zurückkehren zu können, so Hammad weiter. Bereits Ende August waren in dem Camp bei Zusammenstößen von Demonstranten mit Sicherheitskräften mehr als 20 jordanische Beamte verletzt worden.

Seit Ausbruch der Unruhen in Syrien im März 2011 sind nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 30.000 Menschen getötet worden, darunter über 2000 Kinder. Innerhalb Syriens sind nach UN-Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht.

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