Türkei warnt: Ein Krieg mit Syrien ist „nicht fern“

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat am vergangenen Freitag noch einmal verdeutlicht, wie ernst die Lage zwischen der Türkei und seinem einst befreundeten Nachbarn Syrien ist. Man sei, so der Politiker, in dieser Woche „nicht fern“ von einem Krieg gewesen. Die Gefahr, dass sich der Aufstand gegen Syriens Machthaber Bashar al-Assad doch noch zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte, ist noch nicht gebannt.

Die Situation zwischen Syrien und der Türkei befindet sich auf einem schmalen Grat, warnt der türkische Premier Erdoğan. (Foto:  World Economic Forum/flickr)

Die Situation zwischen Syrien und der Türkei befindet sich auf einem schmalen Grat, warnt der türkische Premier Erdoğan. (Foto: World Economic Forum/flickr)

In einer kampfeslustigen Rede vor einer Menschenmasse in Istanbul warnte der türkische Premier Erdoğan das Regime Assad, dass es einen fatalen Fehler begehe, wenn es sich auf einen Kampf mit der Türkei einlassen würde. „Wir sind nicht an einem Krieg interessiert, aber wir sind auch nicht weit davon entfernt“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Diejenigen, die die Kapazitäten der Türkei, ihre Entschlossenheit und ihre Abschreckungswirkung auf die Probe stellen wollten, würden einen schwerwiegenden Fehler machen.

Vorfall in Akçakale war der bisher schwerste in dem seit 19 Monaten andauernden Konflikt

Bei den Vereinten Nationen verurteilte der Sicherheitsrat den syrischen Granatenangriff vom vergangenen Mittwoch auf das Schärfste und forderte Syrien auf, solche Verletzungen des Völkerrechts sofort zu unterlassen. Quasi umgehend sicherten die Vereinigten Staaten zu, hinter ihrem NATO-Verbündeten und dessen Recht auf Selbstverteidigung gegen Angriffe aus Syrien zu stehen. Die Türkei, so die Ansicht in den USA, habe angemessen reagiert.

Der jüngste grenzüberschreitende Vorfall in Akçakale war der bisher schwerste in dem seit 19 Monaten andauernden Konflikt und verdeutlichte noch einmal, wie schnell die gesamte Region von den innersyrischen Unruhen ergriffen werden könnte. Mittlerweile ist die Gewalt bereits in andere Nachbarstaaten geschwappt. Davon zeugen etwa die jüngsten Massenentführungen im Libanon vor einigen Wochen (auch türkische Staatsbürger waren hiervon betroffen – mehr hier).

Insgesamt, so fasst die Nachrichtenagentur Reuters zusammen, seien bereits mehr als 30.000 Menschen im Zuge der Aufstände gegen Machthaber Assad gestorben. Eine Revolte, die einst mit friedlichen Straßenprotesten begann und sich nun zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg entwickelt hat. Allein am vergangenen Donnerstag seien landesweit mehr als 180 Todesfälle verzeichnet worden, darunter auch 48 Soldaten des syrischen Regimes.

Türkei lässt Kriegsschiffe ins Mittelmeer auslaufen

Von Seiten Syriens gibt es bisher noch keine formelle Entschuldigung ob der Vorfälle vom vergangenen Mittwoch. Zwar versicherte Syriens Verbündeter Russland, dass man aus Damaskus das Versprechen habe, dass der jüngste Granatenbeschuss ein tragischer Unfall gewesen wäre. Der türkische Premier sieht das jedoch ganz anders (Erdoğan glaubt hier nicht an Unfälle – mehr hier). Das Land hat mittlerweile deutlich gemacht, dass man weitere Vergeltungsschläge starten werde, käme es noch einmal zu einem Überschwappen der Gewalt auf das eigene Territorium. Gleichzeitig erfolgte jedoch die Zusicherung im Rahmen des internationalen Völkerrechts und in Abstimmung mit anderen ausländischen Mächten zu handeln.

Täuscht Erdoğans jüngste Kriegsrhetorik also über die tatsächliche Stimmung in der Türkei? Immerhin: Nach der Parlamentsabstimmung am vergangenen Donnerstag betonte er noch, dass es sich bei der Entscheidung keinesfalls um ein Kriegsmandat handle. Das Gesetz solle abschreckende Wirkung haben, an einem Krieg sei man nicht interessiert. Doch tatsächlich scheint das Säbelrasseln erneut zu beginnen. Wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, sind bereits türkische Kriegsschiffe in See gestochen, um Präsenz im Mittelmeer zu zeigen (nach Einschätzung der türkischen Medien gehe es nun darum Dominanz zu zeigen – mehr hier).

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